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bert2016klein2Aufgewachsen bin ich in Bremen, aber geboren bin ich als Witze-Erzähler. Eine Kollegin sagte mal, dass 40 Prozent meines Gehirns für Witze reserviert wären. Das ist natürlich glatt gelogen. Es sind mindestens 60 Prozent! Und das Schöne ist: Ich kann die Witze und Sprüche tagtäglich testen, da ich ständig neue Kollegen bekomme. Am besten sind Praktikanten. Zum einen, weil sie die Witze garantiert noch nicht von mir gehört haben. Zum anderen, weil sie in der Regel noch nicht geboren waren, als meine Witze erfunden wurden. Überhaupt besteht der große Vorteil meiner Witze darin, dass sie nicht alt werden können. Weil sie schon alt sind.

Vermutlich wurde mir der Schalk in die Wiege gelegt, als meine Eltern entschieden, mich Bert zu nennen. Da musste ich zwangsweise ein großes Maß an Selbstironie entwickeln! Ich muss meine Eltern aber in Schutz nehmen. Sie wussten nicht, was sie taten. Denn als ich auf die Welt kam, gab es die Sesamstraße noch nicht in Deutschland. Sie feierte erst drei Jahre später, 1973, ihre Deutschlandpremiere. Das heißt: Ich war zuerst da! Meine Eltern dachten beim Namen Bert noch an Bert Brecht und nicht an Bert aus der Sesamstraße.

Naja, so wirklich gelitten habe ich unter dem Namen – ehrlich gesagt – nur während der Kindergarten- und der Bundeswehr-Zeit. Davor, dazwischen sind meine Mitmenschen mit meinem Namen mehr oder weniger reif umgegangen. Trotzdem bekomme ich die Frage: „Wo hast Du Ernie gelassen?“ einfach nicht aus meinem Kopf.

Inzwischen gehe ich offensiv mit der Ungnade meiner Geburt um: Immer wenn Freunde oder Verwandte Nachwuchs bekommen, erhält dieser Ernie- und Bert-Puppen geschenkt. So lernen sie sehr früh meinen Namen und freuen sich immer unbändig, wenn sie mich – nach der Beförderung zum Kleinkind (ab einem Jahr) und dem Erlangen des Sprachvermögens – das erste Mal sehen. „Du bist Bert?!“, fragen sie stets ungläubig. Einmal rief ich eine Freundin an. Ihr Freund war am Telefon und rief laut: „Uta! Bert ist am Telefon!“ Sein Sohn konnte es gar nicht fassen. „Was? Bert ist am Telefon?“ Und wollte mich natürlich unbedingt sprechen. Und ein Kollege erntete großes Erstaunen, als er seinem Sohn erzählte, dass er am nächsten Tag mit Bert nach Düsseldorf fahren würde. Natürlich wurde der Spross mit einem Stoff-Bert entlohnt.

2016-08-04-17-59-56Ein weiteres Kuriosum meines Lebens ist, dass ich – obwohl ich Geschichte und Politik studiert habe – als Moderedakteur arbeite. Ich tröste mich damit, dass bestimmt gerade vor dem Weißen Haus ein Reporter steht, der eigentlich unbedingt Modejournalist werden wollte. Schließlich muss das Universum immer ausgeglichen sein.

Zudem ist das Leben in der Modewelt für jemanden wie mich stets ein reicher Fundus an Kuriositäten: Als mein Wechsel von der Marketingfachzeitung HORIZONT zum B-to-B-Titel TextilWirtschaft feststand, luden mich drei künftige Kolleginnen zum Essen ein. Von dem Erlebnis erzählte ich stolz einer aktuellen Kollegin. Doch anstatt etwas zu sagen wie „Super! Erzähl doch mal! Sind die nett?“ erntete ich ungläubiges Staunen: „Was?! Die haben was gegessen? Ich dachte immer, die drücken sich nur an der Salatbar ‚rum.“ Und als ich nach dem Wechsel einer neuen Kollegin erzählte, dass ich gerade eine Diät mache, klagte sie leicht genervt: „Ach, irgendwie macht hier jeder immer mehr oder weniger eine Diät.“ Ich selbst mache übrigens gleich zwei Diäten. Schließlich wird man von einer allein nicht satt. Und mein Lieblingssport zum Abnehmen ist Gewichtheben. Immer, wenn ich aufstehe …

 
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Nach Julien Assange, Edward Snowden und dem International Consortium of Investigative Journalism (Luxembourg Leaks) ist jetzt auch der TextilWirtschaft ein Daten-Scoop gelungen: Der Redaktion wurde eine CD mit brisanten Inhalten zugespielt – den Buch-Neuerscheinungen des Jahres 2015. Die Highlights daraus veröffentlicht die TW vorab und exklusiv. Sehr exklusiv!

Belletristik
Nicolas Berggruen: Ich bin dann mal weg. Aus dem Deutsch-Amerikanischen von Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. Schnäppchenverlag, Essen. Preis: 1 Euro.

Albert Eickhoff: Adieu auf der Kö – wie ich mit Prada, Gucci und Dior die Geduld verlor. Ein lyrischer Abgesang auf das hohe Genre. Früher-hätt’s-das-nich-gegeben-Verlag, Lippstadt.

Steve Jobs: 1000 ganz legale Steuertricks. Mit einem Vorwort von Jean-Claude Juncker. Bayern-Hoeneß-Verlag, Luxemburg. Wegen akuter Leak-Gefahr nicht als E-Book erhältlich.

Thomas Middelhoff: Der 60-Jährige, der aus dem Fenster stieg und mit dem Taxi verschwand. Aus dem Ostwestfälischen von U.E. Behr-Setzer. Abbau Verlag, Bielefeld/Saint-Tropez. Preis: 39,99 Euro.

Dr. Gerd Müller: Alles Müller oder wir basteln uns ein Texilsiegel. Inklusive Strickanleitung und einem Knäuel grüner Wolle. Einsturz-Verlag Dhaka/Berlin. Preis: Verhandlungssache.

David Schneider/Robert Gentz/Rubin Ritter: Liebling, ich habe die Kinder skaliert. Eine Anleitung, etwas ganz Großes zu schaffen. Pure Play Medien Umspannwerk Prenzelberg. Nur als E-Book erhältlich. Preis: 29,90 Euro.

Gerhard Weber: Niemals geht man so ganz. Mein Leben. CenterCourt-Verlag, Halle/Westfalen.

Ratgeber
Anonymus: Ich war eine PET-Flasche. Leitfaden für die Fertigung täuschend echt aussehender Kunstfell-Bommel. Beim Kauf von zwei Büchern gibt es einen Shitstorm gratis. Acht-Füßler-Verlag, Buxtehude. Preis: 14,50 Euro.

B. Hersfeld: Wir streiken! Wie man den Weltkonzern Amazon lahmlegt. Werdi-Verlag, Berlin, 8,49 Euro

Karl-Heinz Müller: Die schönsten Messe-Standorte der Welt. Brot und Butter-Verlag, Berlin/Barcelona/Seoul, 2500 Seiten. Inklusive ausklappbarer Weltkarte.

Oliver Samwer: 100 markets you have to enter before you die. Auflage: 33 Millionen. Bulle_Bär-Verlag, Frankfurt. Ausgabepreis: 42,50 Euro.

Eva Lotta Sjöstedt: Zehn Fragen, die Du Dir vor dem Jobwechsel stellen solltest. Billy-Verlag Stockholm. Preis: 19,99 Euro, jetzt nur 7,99 Euro.

O. O. Stock: Daunenjacken im Juni. Oder: Was der Kunde wirklich will. Loseblattsammlung, Grotesk-Verlag, Frankfurt, 17,99 Euro.

Enthüllt von Bert Rösch, Mitarbeit AH, SL, UB

Entnommen aus: TextilWirtschaft 52 vom 25.12.2014, Seite 50

 
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Montag: Die „Süddeutsche Zeitung“ bestätigt meinen Nachsendeantrag nach Bremen und macht dabei einen entscheidenden Fehler: „Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Urlaub fern der Heimat“, heißt es in dem Schreiben. Fern der Heimat? Bremen ist meine Heimat! Hätte die „SZ“ ein funktionierendes CRM-System, wüsste sie, dass ich aus der Hansestadt komme. Schließlich habe ich dort schon als Schüler die „Süddeutsche“ bezogen. Andererseits bin ich auch froh, dass die Zeitung offensichtlich nicht allzu viel persönliche Daten über mich gespeichert hat.

Dienstag: Zugegeben, die Auktionsplattform Ebay ist ob der mäßigen Geschäftsentwicklung der letzten Zeit nicht mehr die Erfolgsgeschichte, die sie einmal war. Doch wenn es darum geht, gebrauchte Spielsachen zu finden, ist die Website immer noch unschlagbar. Wo sonst kann man so schnell und für so wenig Geld Ernie- und Bert-Puppen ersteigern? Ich verschenke diese an Kinder von Freunden und Verwandten, damit die Sprösslinge meinen Namen schnell lernen. So geschehen bei meiner Nichte: Deren Vater staunte nicht schlecht, als sie morgens lauthals den Namen ihres 600 Kilometer entfernten Onkels rief. Des Rätsels Lösung: Die Stoffpuppe Bert war aus dem Bett gefallen und sollte schnellstmöglich zurückgebracht werden. Was lernt der Marketer daraus? Richtig: Man kann mit der Markenbildung nicht früh genug anfangen!

Mittwoch: Ein negatives Beispiel für die Einführung einer Marke liefert die erst vor einem halben Jahr gegründete Online-Marketing-Messe DMEX: Da hat sich die Branche gerade an den neuen Namen gewöhnt, schon hängt die Messe Köln das mysteriöse Kürzel „co“ hintendran. Was soll das heißen? Hat Pepsico die DMEX gekauft? Nein! Die Veranstalter wollen damit unterstreichen, dass das Event auch einen Kongressteil hat. Der wahre Grund ist aber vermutlich die Namensähnlichkeit mit dem Männersender DMAX. Aber wusste man das nicht schon vorher? Und was kommt als Nächstes? Ein weiteres „co“, um den neuen Standort Köln (Cologne) zu betonen?

Donnerstag: Eigentlich – so dachte ich zumindest – sollte das vor Monaten bei Ebay ersteigerte Produktbündel von neun Ernies und sechs Berts lange Zeit reichen. Doch da hatte ich die Rechnung ohne meine Kolleginnen gemacht, bei denen meine Erzählungen von den Ebay-Auktionen neue Begehrlichkeiten weckten. O-Ton: „Ich will auch einen Ernie!“ In der Folge fragte eine Kollegin wenige Tage später erstaunt: „Warum stehen hier eigentlich überall Ernies?“ Wie gut, dass der Paketbote heute eine neue Ladung gebracht hat.

Freitag: Das Problem bei gebrauchten Stoffpuppen: Man weiß nicht, wer sie schon vorher alles in der Hand gehabt hat. Also, ab in die Waschmaschine damit! So bietet sich mir abends zur Primetime ein seltenes Schauspiel, das im wahrsten Sinne des Wortes jeder Reality- und Promi-Show das Wasser reichen kann: Ich verfolge hautnah, wie acht Ernies und elf Berts bei 60 Grad gegen das tosende Spülwasser ankämpfen, wacker dem Schleudergang trotzen und am Ende mit einem Lächeln auf den Lippen aus der Maschine kommen. Das soll Stefan Raab erst einmal nachmachen!

Samstag: Ich schaue mir auf Premiere das Bundesligaspiel Bremen gegen Frankfurt an. Dabei stelle ich schnell fest, dass den Programm-Machern der Kauf der Übertragungsrechte offensichtlich wichtiger ist als die aktuelle Partie. Schließlich wiederholt der Moderator gebetsmühlenartig, dass sich der Bezahlsender die Übertragungsrechte bis 2013 gesichert hat. Zudem verkündet der Kanal stolz oben links im Bild: „Live – Bundesliga bis 2013“.

Sonntag: Meine Ernie-und-Bert-Armee ist inzwischen trocken hinter den Ohren und wartet nun auf den Transport in ihre neue – meine alte – Heimat. BERT RÖSCH

 
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DFB-Trikots

Die neuen Trikots der DFB-Elf sorgen bei den Fans für viel Unmut.

Dass die Große Koalition die Rentenkassen plündert, um sich bei ihrer Stammklientel, den Rentnern für ihre Stimme zu bedanken? Geschenkt! Dass der Mittelstand infolge hoher Sozialabgaben und Steuer-Ungerechtigkeiten wie kalte Progression kontinuierlich ausblutet, während die Wohlhabenden immer weniger Steuern zahlen oder ihr Geld am Finanzamt vorbei ins Ausland schmuggeln? Ist halt so. Das Infrastruktur und Bildungssystem immer weiter verfallen? Ja, mei …

Wenn man die Massen wirklich auf die Barrikaden bringen will, dann muss man schon das Allerheiligste der Deutschen in Frage stellen: die Fußball-Nationalmannschaft. Dieses Sakrileg begeht man bereits dann, wenn man fast 70 Jahre nach der Auflösung Preußens die preußische Flaggenfarbe Schwarz weitestgehend aus dem Outfit der DFB-Elf verbannt. Denn nachdem der Sportartikelhersteller Adidas den ganz in Weiß gehaltenen neuen Auftritt von Jogis Jungs (weißes Trikot, weiße Hose) präsentiert hatte, fegte ein gewaltiger Shit Storm durch das Internet. „Grauenvoll!“, „Dislike, Dislike, Dislike“, „Mit solchen Trikots wird das wieder nix“, hieß es beispielsweise auf der Facebook-Seite des DFB. Oder: „Die Farben sind schwarz und weiß! Und wenn man schon so einen hässlichen Balken auf das Trikot macht, dann bitte in den Nationalfarben und keine rosarote Mischung!“

Dummerweise trug die Antwort von Adidas-Designer Jürgen Rank nicht gerade zur Deeskalation bei. Ganz im Gegenteil: Indem er die wütenden Fans relativ unverhohlen als Langweiler und notorische Zweifler bezeichnete, goss der Kreative zusätzlich Öl ins Feuer: „Es ist ein mutiges und junges Design. Und spätestens, wenn man die Spieler als Team aus dem Tunnel kommen sieht, wird man verstehen: Dieses Design ist nicht für Langweiler und Zweifler. Es ist für Leute, die all ihre Energie einsetzen wollen, um etwas zu bewegen. Nicht jeder muss das neue Design toll finden. Es ist für Fans mit viel Leidenschaft gedacht.“ Die vielfach kritisierten weißen Hosen symbolisieren seiner Ansicht nach „Klasse, Eleganz und Leidenschaft.“

Wie ungeschickt ist das denn? Es sei denn, der traditionell regierungsnahe DFB und sein treuer Ausstatter Adidas wollen gar nicht, dass sich die Lage entspannt. Denn solange die Fußballfans gegen ein simples Thema Sturm laufen, bei dem es im wahrsten Sinne des Wortes nur Schwarz oder Weiß gibt, haben sie gar keine Zeit, sich über komplizierte Themen wie Steuer-und Rentenreform aufzuregen.

Jürgen Rank

Goss zusätzlich Öl ins Feuer: Adidas-Designer Jürgen Rank

Für zusätzliche Verwirrung sorgte folgende Aussage: „Die rote Brustgrafik soll dem Team Flügel verleihen und die Leichtigkeit die Spieler inspirieren.“ Flügel verleihen?! Heißt das, dass der österreichische Aufputschgetränkehersteller Red Bull neuer Hauptsponsor der Nationalmannschaft wird? Und wie sollen die Kicker den meist rollenden Ball treffen, wenn sie ständig durch die Luft fliegen? Da bekommt der Begriff hängende Spitze eine ganze andere Bedeutung.

 
 
 
 
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Das Medienecho war groß, als die Otto Group im vergangenen Jahr ankündigte, pensionierte Versandhandelsmanager zu reaktivieren. Die Heimkehrer sollen hauptsächlich als Berater eingesetzt werden, insbesondere in der IT. Personalchefin Sandra Widmaier wurde in der Folge tagelang in zahlreichen Zeitungen zitiert. Die „Bild“-Zeitung räumte für die Rentnerrückruf-Aktion sogar ihre Titelseite frei.

Otto Group-Personalchefin Sandra Widmaier

16 Monate später beschleicht den geneigten Beobachter der Verdacht, dass das Ganze nicht viel mehr als eine – wenn auch durchaus gelungene – PR-Aktion war. Denn wie Widmaier auf Anfrage mitteilte, hatte der Handelskonzern in diesem Jahr 20 so genannte Senior Experts im Einsatz. 20?! Bei einer Gesamtbelegschaft von fast 54.000 Mitarbeitern bewegt sich der Anteil im homöopathischen Bereich. Da ist aber auch egal. Die Story war einfach zu gut. So gut, dass die Otto Group monatelang weniger mit imageschädigenden Begriffen wie „Stellenabbau“ und „Universalversand in der Krise“ in Verbindung gebracht wurde. Sondern vielmehr mit Kino- und TV-Klassikern wie „Space Cowboys“ und „Der große Bellheim“. In den Streifen werden Rentner reaktiviert, um in Zeiten der Not Heldenhaftes zu vollbringen. Die einen müssen die Erde vor einem abstürzenden Satellit, die anderen einen Warenhauskonzern vor dem Ruin retten.

Wir sind daher gespannt, ob es den 20 opferbereiten Distanzhandels-Haudegen, den Dirty Twenty, gelingt, den kriselnden Handelskonzern endgültig in das von Twentysomething-Managern geprägte E-Commerce-Zeitalter zu führen. Zwei Fortsetzungen sollten mindestens drin sein.

 
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Octocopter von Amazon

Octocopter von Amazon

Die Nachricht schlug wie eine Bombe ein. Oder besser gesagt wie eine Drohnenbombe. Denn um genau um diese unbemannten Flugkörper ging es in einem Fernsehinterview, das Amazon-Chef Jeff Bezos dem US-Sender CBS Anfang Dezember gab. Der E-Commerce-Pionier will in vier bis fünf Jahren den Service Prime Air starten. Dieser bietet Amazon-Kunden die Möglichkeit, sich ihre Bestellungen von kleinen achtmotorigen Drohnen liefern zu lassen. Sie müssen dazu allerdings im Umkreis von 16 km eines Amazon-Logistikzentrums wohnen. Und die Sendung darf nicht schwerer als 2,5 Kilogramm sein.

Das klingt erst einmal toll. Das Problem ist nur, dass noch viele Fragen offen sind. Zum Beispiel, ob die unter chronischen Terrorangst leidende US-Flugsicherheitsbehörde diese Transportart genehmigt. Und wie verhindert man, dass unter den arabischstämnugen US- Bürgern eine Massenpanik ausbricht, wenn sich ein sogenannter Octocopter nähert. Schließlich haben ihre Verwandten und Bekannten in der Heimat bislang eher negative Erfahrungen mit Drohnen gemacht. TV-Serien wie „Homeland“ und „24“ nähren diese Befürchtungen kontinuierlich.

Und: Wie bitte klingelt eine Drohne an der Haustür des Kunden? Oder macht sie es wie viele ihrer Kollegen aus Fleisch und Blut – und steckt einfach nur eine Abholkarte in den Briefkasten? Außerdem: Wie reagiert eine Drohne, wenn der Besteller eines Modeartikels bei der Übergabe des Pakets aus alter Gewohnheit vor Glück schreit? Spielt die Drohne dann einen noch schrilleren Schrei-Sound ab? Oder stürzt sie vor Schreck ab? Woher weiß die Drohne, ob der Kunde zu Hause ist? Fragt er vor dem Start einen großen Bruder im All, der über eine Wärmekamera verfügt? Und was macht eine Drohne, wenn sie von einer nur mit einem Morgenmantel bekleidete grüne Witwe  – ebenfalls aus alter Gewohnheit – auf einen Kaffee hereingebeten wird? Folgt sie der Einladung oder schlägt sie der einsamen Frau ein technisches Gerät aus dem Amazon-Sortiment vor? Nach dem Motto: „Kundinnen, die …., haben … gekauft.“ Kurzum: Die Octocopter-Entwickler müssen noch viel Programmierarbeit leisten. Ein Vorteil lässt sich aber nicht wegdiskutieren: Drohnen können – anders als ihre menschlichen Kollegen in Bad Hersfeld und Leipzig – nicht streiken. Jedenfalls nicht bewusst, sondern lediglich bei technischen Mängeln.

Octocopter von Amazon

Schwebt über dem Verkehr: Die Paketdrohne von Amazon

Übrigens: Nach dem Bezos-Interview wurde bekannt, dass auch DHL und UPS am Thema Paketzustellung per Drohne arbeiten. Das heißt: Es zeichnet sich hierzulande ein Kampf um die Lufthoheit in der Paketzustellung ab. Es ist nur zu hoffen, dass das Verteidigungsministerium nicht am DHL-Projekt beteiligt ist. Sonst wird das nämlich nichts.

 
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Kontaktloses Bezahlen mit PayPass von MasterCard

Kontaktloses Bezahlen mit PayPass von MasterCard

Im August überraschte Karstadt mit der Ankündigung, in allen Filialen kontaktloses Bezahlen von Visa einzuführen. Das führte in Branchenkreisen zu Stirnrunzeln. Hat der finanziell angeschlagene Warenhauskonzern, dessen Umsätze stetig fallen und dessen Häuser vielerorts kontinuierlich verfallen, keine anderen Sorgen? Und wie muss man sich das bitte vorstellen? Das Stammkundin Oma Else aus ihrem beigefarbenen Anorak ein brandneues Samsung Galaxy IV-Handy kramt und den eingebauten NFC-Chip elegant am Lesegerät vorbeizieht?

Doch auf den zweiten Blick ergibt diese Maßnahme durchaus einen Sinn. Schließlich ist sie die konsequente Fortführung der konzerninternen Strategie, den Kontakt zur Umwelt auf ein Minimum zu reduzieren. Bestes Beispiel ist die nahezu kontaktlose Beratung durch das Verkaufspersonal. Nach den zahllosen Entlassungsrunden braucht man schon detektivisches Gespür, um die wenigen verbliebenen Verkäufer auf den Flächen zu finden. Das ist insofern fatal, als deutschen Warenhausverkäufern – meist zu Unrecht – ehe nachgesagt wird, dass sie sich wie Kakerlaken verhalten, wenn das Licht angeht.

Und wenn die Medienberichte stimmen, wonach sich das Management trotz erwiesener Erfolglosigkeit in den vergangenen Jahren hohe Boni ausgezahlt hat, während die Mitarbeiter Lohnkürzungen hinnehmen mussten, dann kann man davon ausgehen, dass auch die Führung den Kontakt verloren hat, und zwar zur Basis.

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