In den ersten Monaten meiner Tätigkeit als Modewirtschaftsredakteur gab mir mein Ressortleiter den Auftrag, im Rahmen eines Termins in Berlin den dortigen Modehandel zu inspizieren. Insbesondere die vielen Shopping-Center. Nur so könnte ich ein Gefühl für die Branche bekommen. Gesagt, getan. Ich klappere an einem Nachmittaga drei Shopping-Center und zwei Haupteinkaufsstraßen ab. Als ich anschließend einer Freundin erzähle, dass mir nach all der Lauferei die Füße weh taten, schaute sie mich nur entgeistert an und sagte: „Du warst den ganzen Nachmittag shoppen und wirst dafür auch noch bezahlt?! Unglaublich!“

 

Dass Unternehmensberater sehr häufig reisen, ist bekannt.Dass viele von ihnen infolge des unsteten Arbeitslebens körperlich stark abbauenund sich daher nach zwei oder drei Jahre einen ruhigeren Job suchen, istebenfalls kein Geheimnis. Doch dass die Vielfliegerei mitunter auch geistigeVerwirrung und völlige Orientierungslosigkeit zur Folge haben kann, war mir neu.

So geschehen bei einemUnternehmensberater, der mir auf dem 2. Europäischen Online-Handelskongresslachend folgende Anekdote erzählte: Der junge Mann, der inzwischen im Online-Handel arbeitet, landete eines schönen Tages auf dem Hamburger Flughafen, schaute ausdem Fenster und rief entsetzt: „Hamburg?! Aber ich wollte doch nach Berlin! Wir konnte das nur passieren?“ Eine Stewardess nahm ihm flugs sein Ticket aus derHand und sagte: „Keine Panik. Das hat alles seine Richtigkeit. Hier stehtals Ankunftsort Hamburg.“
Der Berater lehnt sich beruhigt in seinen Sessel zurückund beginnt kurze Zeit später, mit der attraktiven Blondine zu plaudern. „Hier ist aber schönes Wetter! In München hat es vorhin noch geregnet.“ DieStewardess schaut ihn entgeistert an und sagt leicht kreischend: „München?! Wir sind in Zürich gestartet!“
Was dieser Consultant, der weder wusste, wohin er wollte, nochwoher er kam, anschließend seinem Kunden als Ratschlag mit auf den Weg gab, ist nicht bekannt.
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