Infos per Fingerzeig: Auch die Weinheimer Online Software AG hat ein Tool zur Gestensteuerung im Handel entwickelt. Dieses kam aber bislang nicht über die Testphase hinaus.

Wir erinnern uns: Als wir noch nicht fähig oder willens waren, unsere Wünsche in Worten auszudrücken, bedienten wir uns der beliebten Fingerzeigmethode. Wir deuteten mit dem rechten Zeigefinger auf das Objekt der Begierde und stießen dabei Laute aus wie „Da da“ oder aber ein lang gezogenes „Ääääääääääääääääääääääh!“ Fortgeschrittene unter uns unterstrichen ihre Forderung mit einem lauten „Will haben!“, das den Eltern in der Regel wenig Entscheidungsspielraum bot. Jedenfalls dann, wenn sie ihre Zöglinge nicht vor den Blicken der andern Supermarktkunden öffentlich züchtigen wollten.

Erst im zarten Kindergartenalter waren wir in der Lage, in ähnlichen Situationen vollständige Bestellformeln auszusprechen, zum Beispiel „Ich hätte gerne 100 Gramm Mortadella“. Einen Kneifer oder Fußtritt der Erziehungsberechtigten später fügten wir noch rasch ein „Bitte, liebe Frau Fleischfachverkäuferin“ hinzu.

Neue Technik macht Höflichkeitsformeln obsolet

Das alles gehört der Vergangenheit an. Nicht nur, weil die sorglosen Kindheitstage ohne Existenzängste, trübe Rentenaussichten und „Deutschland sucht den Superstar“ unwiederbringlich vorbei sind. Sondern auch, weil wir erkennen müssen, dass die mühsam erlernten Höflichkeitsformeln am Supermarkt-Tresen inzwischen obsolet sind. Jedenfalls dann, wenn man bei der Kaufhauskette Globus einkauft. Der Schweizer Konzern hat nämlich ein Verfahren entwickelt, das den Kunden die Wünsche im wahrsten Sinne des Wortes von den Fingern abliest. Es ähnelt der Techik, die bereits bei Spielekonsolen wie „Wii“ und „X-Box“ im Einsatz ist. Dort können die TV-Sportler beispielsweise virtuelle Fußbälle per Körperbewegung ins Tor schießen.

Das Globus-System hingegen erkennt mittels 3-D-Kamera, worauf der Kunde deutet und liefert ihm anschließend Informationen zum Produkt aus. Zu sehen auf einem Bildschirm oder dem Display der Ladenwaage, sodass die Verkäuferin sofort weiß, was der Kunde will. Ein „Darf es sonst noch etwas sein?“ und ein Köpfschütteln später befindet sich die gewünschte Ware im Einkaufswagen. Wirklich kinderleicht. Das hätte ich auch im Alter von zwei Jahren hinbekommen.
 

Ist Grau das neue Blond?

Zwölf Uhr Mittag: Zwei Dutzend Teens und Twens stehen im Restaurant einer großen deutschen Warenhauskette für den berühmten Senioren-Teller Schlange. Sie tragen beigefarbene und graue Windjacken. Darunter wahlweise bunt bestickte Blusen und Falteneröcke oder schwarze Strickjacken – so wie ihr Idol Helmut Kohl bei den legendären Verhandlungen mit Michael Gorbatschow im Kaukasus.

Viele tragen Strümpfe in Sandalen. Ihre Haare sind wahlweise grau oder weiß gefärbt. Nach dem Essen liefern sich einige der jungen alten Herren spannende Rollatoren-Rennen. Erschöpft machen sie danach ihren wohlverdienten Mittagsschlaf. Am Nachmittag schauen sie Telenovas auf ARD und ZDF, ihren Lieblingssendern, neben den Shopping-Kanälen QVC und HSE24.

Aufstand der Alten?

Nein, das ist keine Neuverfilmung der ZDF-Dokumentation „2030 – Aufstand der Alten“, bei der aus Geldmangel junge Studenten die Generation 67 plus verkörpern. Es ist vielmehr das logische Ergebnis, wenn man die aktuellen modischen Entwicklungen zu Ende denkt und auf Deutschland überträgt. In Großbritannien färben sich neuerdings die Trendsetter, teilweise auch Filmstars und Models, die Haare grau oder weiß, sodass sie von weitem aussehen wie ihre Großeltern. „Graue Haare sind das neue Blond“, schreibt etwa das Frauenportal Brigitte.de.

Damit setzt sich der Trend fort, den Kleidungsgeschmack der älteren Generation zu übernehmen. Schon seit Jahren sind auf Fashion Shows Models zu sehen, die Socken in Sandalen tragen. Das war lange Zeit eine absolutes No Go in der Mode. Ebenfalls in vogue sind bereits Cardigans, Hosenträger, Fliegen sowie Flicken auf den Ärmeln.

Hoffnung für Renter-Paradies Karstadt

Sollte sich der Trend zur Altherren- und Altweibermode hierzulande weiter festsetzen, wäre das vielleicht die Rettung für die schlingernde Warenhauskette Karstadt, die offenbar wieder in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Schließlich will das Unternehmen seine Rechnung künftig einen Monat später bezahlen als sonst, was die meisten Lieferanten gar nicht witzig finden. Zusätzlich herrscht Medienberichten zufolge – abseits der frisch sanierten Vorzeige-Weltstadthäuser – ein großer Investitionsstau. Und wenn im Herbst der Sanierungstarifvertrag ausläuft, muss Karstadt 50 Millionen Euro mehr Löhne und Gehälter zahlen.

Sollten nun die jungen Leute das als Disney-Land der Rentner verschriene Warenhaus auf einmal hipp finden, könnten sich die Probleme binnen weniger Monate in Luft auflösen. Ob Karstadt-Chef Andrew Jennings das wohl weiß? Sollte er jedenfalls. Schließlich kommt er aus Großbritannien, dem Mutterland des „Aus alt mach cool“-Trends.

 

Mal Hand aufs Herz: Würden Sie Ihr Kind Aldi nennen? Oder Rewe? Oder gar Karstadt, damit Ihr Sprössling in ein paar Jahren nicht auf dem Schulhof abgezockt wird? Denn wer so heißt, vermittelt nicht gerade den Eindruck, dass er Geld oder Güter besitzt.

Diesen Verteidigungseffekt kann der Name des großen Karstadt-Konkurrenten Galeria Kaufhof nicht bieten. Trotzdem entschieden sich vor zehn Jahren zwei Leipziger Elternpaare dazu, ihre jeweiligen Töchter auf den Namen „Galeria“ zu taufen. Anlass war die Eröffnung einer Galeria-Kaufhof-Filiale am Leipziger Neumarkt. „Eltern, deren Kinder ebenfalls am 20. September 2011 das Licht der Welt erblickten, konnten sich melden und erhielten eine Überraschung, heißt es in der aktuellen Ausgabe des Mitarbeitermagazins der Warenhauskette. „Dem Aufruf folgten 14 Eltern, von denen zwei ihre Kinder sogar auf den Zweitnamen Galeria tauften.“

Die Galeria Kaufhof sei jetzt Patin der beiden Mädchen. Außerdem wird für die Namensträgerinnen und alle anderen am 20. September 2001 geborenen Kinder jedes Jahr eine Geburtstagsfeier ausgerichtet. Über die Ausgestaltung der Patenschaft und Geburtstagsfeiern möchte sich Galeria Kaufhof mit Hinweis die Privatsphäre der Kinder nicht äußern.

Mit Galeria zur Galeria Kaufhof am Neumarkt - Leipzigs Standesämter machen es möglich

Wir erinnern uns: Als in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein Elternpaar seinem Kind den Namen „Pumuckl“ geben wollte, reagierte das zuständige Standesamt so, wie es dessen Name vermuten lässt: Es weigerte sich standhaft. Pumuckls Vater (nein, nicht Meister Eder) musste erst vor Gericht ziehen, um seinen Willen durchzusetzen.

„Hast Du Karstadt gesehen?“

Den Namen seines Kindes zu vermarkten, ist dagegen offensichtlich erlaubt. Gut möglich, dass sich schon in ein paar Jahren auf deutschen Schulhöfen Gespräche wie dieses entwickeln: „Hast Du Karstadt gesehen? Ne, der ist gerade mit Lidl bei Aldi. Danach wollen sie noch zu Ikea.“ „Wer ist denn Ikea? Ist die neu auf der Schule?“ „Nein! Die gehen zum Einrichtungshaus Ikea! Wer das meistgedruckte Buch der Welt, den Ikea-Katalog, herausbringt, muss sich keine Vornamen sponsern. Außerdem benennen viele Ikea-Kunden ihre Kinder nach den Möbeln auf denen sie ihren Nachwuchs gezeugt haben. Das ist Werbung genug!“

Ein kleiner Trost für Frauke Galeria und Vivian Galeria: Es hätte auch schlimmer kommen können. Laut den Websites Rankoholics.de und Haus-der-Namen.de sind folgende Mädchennamen erstaunlicherweise zulässig: Bavaria, Momo, Pepsi-Carola, Rapunzel, Windsbraut, Blücherine, Gneisenauette und Katzbachine. Männliche Babys dürfen Namen tragen wie Leonardo da Vinci Franz, Rasputin, Samandu, Timpe, Winnetou, Napoleon, Solarfried und Waterloo.

Nicht erlaubt sind hingegen Borussia (Begründung: Assoziation zu Fußballvereinen), Che (Idolname), Jan-Marius-Severin (mehr als Bindestrich ist nicht zulässig), Moewe (Tiername mit negativen Assoziationen), Najvajo (indianische Stammesbezeichnung), Tom Tom (unzulässige Namensverdoppelung) und Woodstock (Orts- und Idolname). Das eng die Auswahl natürlich stark ein.

Ein Name sollte sich künftig von selbst verbieten: Kevin. Er wurde von Unterschichten-Familien in den vergangenen Jahrzehnten derart inflationär genutzt, dass man ihn heute automatisch mit einem Problemkind assoziiert. „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose“, sagte der Fernseh-Privatdedektiv Wilsberg am Samstag in der gleichnamigen ZDF-Serie treffend.

 

Startseite von Vente-Privee.com

„Hey, Bert! How are the nephews of Donald Duck called in your country?” „Tick, Trick and Track”, sagte ich blitzschnell. „Wie denn sonst?” Die Antworten kommen sofort aus allen Richtungen geschossen: „Huey, Dewey and Louie”, ruft eine englische Studentin drei Busreihen weiter. „Qui, Quo et Qua“, ergänzt ein Italiener. „Riri, Fifi et Loulou“, ein Franzose und „Kwik, Kwek en Kwak“, die Holländerin, die das lustige Fragespiel überhaupt in Gang gesetzt hatte.

Weitere Namensnennungen sind unter anderem „Rip, Rap og Rup“ (Dänisch), „Ole, Dole og Doffen“ (Norwegisch), „Knatte, Fnatte och Tjatte“ (Schwedisch) und „Tupu, Hupu ja Lupu“ (Finnisch). Mein persönlicher Favorit ist die spanische Version „Jorgito, Juanito y Jaimito“.

Aber das mag auch daran liegen, dass ich mich gerade in Spanien befinde, genauer gesagt in einem Überlandbus, der eine bunt zusammengewürfelte Gruppe europäischer Studenten im Rahmen eines Sprach- und Kulturkurses der Studentenorganisation AEGEE von der nordspanischen Stadt Vigo zu einer benachbarten Bucht bringt. Dank des gleichermaßen amüsanten wie lehrreichen Fragespiels vergeht die Zeit trotz Staus wie im Fluge.

Das war 1997. Lange bevor das Internet alle Facetten unseres Lebens durchdrungen hat. Unter anderem die Schnäppchenjagd. So ist es gut denkbar, dass sich im kommenden Sommer AEGEE-Mitglieder ihre Reise- oder Wartezeit mit folgendem Spielchen vertreiben. „Hey, you! How is the sender of the shopping club Vente Privée called in your Country?“ „Nina von Winterfeld”, wird der Deutsche sagen. „Mais non”, wird die Französin sagen. „C’est Cécile de Rostand“. Die spanische Fraktion wird von einer gewissen „Paloma de la Vega“ berichten, die italianische von „Sofia Dell‘ Ambra“ und die englische von „Victoria Scott-Richards“.

Ist das Nina von Winterfeld? Nein, nur ein Model von Vente Privee.


Jung, weiblich und modeinteressiert

Doch wie kommt Vente Privee auf diese Namen? „Nina von Winterfeld und ihre Kolleginnen in anderen Vente-Privee-Ländern verkörpern viele Mitglieder des Shopping-Clubs: weiblich, 30 Jahre aufwärts und modeinteressiert“, erklärt eine Firmensprecherin. Und warum schreibt man nicht einfach den Unternehmensnahmen die Absenderzeile, so wie jede andere Internetfirma auch? Auf diese Frage hat das französische E-Commerce-Unternehmen, das das Geschäftsmodell der Online-Shopping-Clubs 2001 erfunden hat, ebenfalls eine Antwort parat: „Die Idee ist, Vente Privee ein Gesicht zu geben. Unsere Mitglieder sollen sich persönlich angesprochen fühlen.“ Dies sei Teil des „qualitativen Mitgliederservices“, der inhouse von Länderteams in der jeweiligen Landessprache erfolge.

Das ist interessant, heißt aber auch, dass ich die junge adelige Dame, die mir andauernd verführerische E-Mails schreibt, niemals kennenlernen werde. Sie ist nur virtuell. Aber das sind Tick, Trick und Track ehrlich gesagt auch. Und als sie erfunden wurden, konnte sich kaum jemand etwas Konkretes unter dem Begriff „Virtuell“ vorstellen.

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