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„Jetzt wird in Europa Deutsch gesprochen“, sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder 2001 im Rahmen der Euro-Rettungsmaßnahmen der deutschen Bundesregierung und löste damit eine Welle der Empörung aus. Die ARD hat diese umstrittene Äußerung offenbar wörtlich genommen. Schließlich sprechen in den Zweiteiler „Russisch Roulette“ fast alle Russen die deutsche Sprache oder verstehen sie zumindest. So sehr, dass sich in einer Szene groteskerweise ein russischer Oligarch und eine russische Polizeikommissar auf Deutsch unterhalten. Zwar hört man das für die Russen typische rollende R, aber die Grammatik ist tadellos. In einer anderen Szene bestellt ein Chefredakteur in einem St. Petersburger Restaurant ganz selbstverständlich „eine heiße Schokolade“.

Katharina Böhm und Heinz Hönig. Foto: ARD

Zugegeben: Lange Dialoge auf Russisch mit Untertiteln können für den Zuschauer auf Dauer ermüdend sein. Aber es macht die Sendung auch authentischer. Der Mehrteiler „Im Angesicht des Verbrechen“, übrigens auch von der ARD, hatte ganze Szene in der slawischen Sprache gedreht, ohne dass dabei die Spannung verloren ging. Und dass in dem preisgekrönten Krimi viele Russen Deutsch sprachen, war durchaus logisch. Schließlich lebten sie in Berlin.

Zudem dürfte es nicht zu viel verlangt sein, wenn sich das Publikum ab und zu russische Kurzeinlagen anhören muss. Zum Beispiel Übersetzungen der im Film deutsch gesprochenen Sätze „Haben Sie meinen Sohn gesehen?“ oder „Sie ist auch Journalistin!“.

Das Publikum der ARD mag zwar – ob ihres hohen Durchschnittsalters – teilweise schon etwas senil sein. Aber blöd ist es bestimmt nicht. Jedenfalls nicht so blöd, dass es denkt, dass der Russlandfeldzug und die Belagerung des damaligen Leningrads und heutigen St. Petersburg erfolgreich war und in der Folge alle St. Petersburger Deutsch sprechen oder verstehen. Wie sagte doch die Comedy-Legende Otto Walkes so schön „Wozu bezahle ich eigentlich keine Fernsehgebühren?!“

Foto: Katharina Böhm und Heinz Hönig (ARD)

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