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"Ich gehe auf Amazon und dann zonk, zonk, zonk“

„Weißt Du, wie ich meine Weihnachtsgeschenke kaufe? Ich gehe auf Amazon und dann zonk, zonk, zonk“, spricht eine kurzhaarige, mit Jeans und einem schwarzen Mantel bekleidete Frau auf einer S-Bahn-Fahrt in ihr Handy. Am anderen Ende der Leitung taucht danach offenbar die Frage auf, ob dieFrau die Geschenke denn wenigstens selbst und individuell verpacke. Schließlichlautet die Antwort der Mittvierzigerin „Nein, nein. Das lasse ich auch von Amazon machen! Kostet zwar etwas mehr, aber ist soooo praktisch!“

Wohin soll dieses teilautomatisierte X-mas-Shopping noch führen? Denkbar wäre etwa eine Verknüpfungmit der Smartphone-App Shopgate. Gestresste Zeitgenossen können dort Geschlecht und Alter der zu Beschenkenden eingeben und bekommen anschließend Vorschläge aufs Handy geschickt, die sie natürlich auch mobil bestellen und bezahlen können. Ein ähnliches Angebot gibt es im Internet unter der Adresse www.tiadora.de.

Es dürfte daher nur noch eine Frage der Zeit sein, bis man auf Shopgate, Tiadora & Co automatisch Geschenke suchen lässt, diese mit der Wunschliste der Nichten und Neffen auf Amazon.de abgleicht und anschließend die Positivtreffer fertig eingepackt an die die Lieben schicken lässt. Ganz Clevere könnten die Anwendung „Auktions-Buddy“ hinzunehmen, die eine Woche lang auf günstigere Angebote bei Ebay wartet, bis sie die Bestellung auf den Weg bringt. Natürlich informieren Ebay und Amazon per Mail, was Sie letztendlich geschenkt haben, um Überraschungen am Telefon zu vermeiden. Einmal eingerichtet kommen die Geschenke künftig immer pünktlich zum Geburtstag oder Heiligabend an – und treffen im Gegensatz zu den traditionellen Socken und Krawatten stets den Geschmack des Beschenkten.

Das ist Ihnen zu unpersönlich? Abhilfe leistet das Programm „Scanahand“, das Ihrer Handschrift eine persönliche PC-Schriftart erstellt. Daraus lassen sich persönlich anmutende Glückwunsch- und Weihnachtskarten basteln, die den Geschenken beigelegt werden. Das nötige Add-on kann jeder IT-Student innerhalb von Minuten schreiben. Schöne, neue X-mas-Shopping world!
 
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Dass Unternehmensberater sehr häufig reisen, ist bekannt.Dass viele von ihnen infolge des unsteten Arbeitslebens körperlich stark abbauenund sich daher nach zwei oder drei Jahre einen ruhigeren Job suchen, istebenfalls kein Geheimnis. Doch dass die Vielfliegerei mitunter auch geistigeVerwirrung und völlige Orientierungslosigkeit zur Folge haben kann, war mir neu.

So geschehen bei einemUnternehmensberater, der mir auf dem 2. Europäischen Online-Handelskongresslachend folgende Anekdote erzählte: Der junge Mann, der inzwischen im Online-Handel arbeitet, landete eines schönen Tages auf dem Hamburger Flughafen, schaute ausdem Fenster und rief entsetzt: „Hamburg?! Aber ich wollte doch nach Berlin! Wir konnte das nur passieren?“ Eine Stewardess nahm ihm flugs sein Ticket aus derHand und sagte: „Keine Panik. Das hat alles seine Richtigkeit. Hier stehtals Ankunftsort Hamburg.“
Der Berater lehnt sich beruhigt in seinen Sessel zurückund beginnt kurze Zeit später, mit der attraktiven Blondine zu plaudern. „Hier ist aber schönes Wetter! In München hat es vorhin noch geregnet.“ DieStewardess schaut ihn entgeistert an und sagt leicht kreischend: „München?! Wir sind in Zürich gestartet!“
Was dieser Consultant, der weder wusste, wohin er wollte, nochwoher er kam, anschließend seinem Kunden als Ratschlag mit auf den Weg gab, ist nicht bekannt.
 
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Beim Aufräumen finde ich einen Stapel mit Reklame bzw. – wie es in der Dialogmarketing-Sprache korrekt heißt – teiladressierter Direktwerbung und entdecke ein wahres Fundstück in puncto streuverlustreicher Werbung: Der Lebensmittel-Discounter Penny bietet in einem Prospekt einen Weltraumflug zum Schnäppchenpreis von 99.999 Euro an. Ich wiederhole: Penny bietet Weltraumflüge an!

Das ist ungefähr so, als ob Prada in seinen Flagship-Stores in Mailand und Moskau Rotwein aus Tetrapaks verkaufen würde. Als ob jemand, der für einen Wochenend-Ausflug knapp 100.000 Euro übrig hat, bei Penny einkaufen und kurz vor der Kasse spontan eine „unvergessliche Reise ins Weltall“ (Werbetext) in den Einkaufswagen legen würde. Okay, man kann die Reise nicht direkt bei Penny kaufen, aber die entsprechenden Prospekte liegen direkt an der Kasse – Quengelware für Millionäre quasi.

Dazu kommt, dass ich das Angebot im Penny in der Mainzer Landstraße im Frankfurter Stadtteil Gallus gefunden habe. Eine Kollegin nennt das Geschäft liebevoll den „prolligsten Penny Deutschlands“, unter anderem weil dort viele Hartzer (Hartz-IV-Empfänger) anzutreffen sind, die mit Lebensmittelschecks bezahlen. Und vor der Eingangstür lungern regelmäßig Penner herum, die um den obligatorischen Euro betteln.

Es gibt ein gutes altes Marketingsprichtwort, wonach die Hälfte der Werbegelder rausgeschmissenes Geld ist, aber man nie weiß, welche Hälfte verschwendet ist. Bei Penny dürfte die entsprechende Quote dem Kaufpreis der Reise entsprechen: 99,999, vorausgesetzt man rechnet in TEURO.

Absurd mutet auch die Anreise zum Flughafen an: Rail & Fly 2. Klasse inklusive ICE-Nutzung. 2. Klasse? Wer fast 100.000 Euro für einen Kurztripp ausgibt, will bestimmt nicht zwischen Rucksack-Touristen und quengligen Kindern reisen.

Die Folge: Laut Prospekt ist das Angebot bis zum 26. Februar verfügbar. Im Online-Shop ist es aber seit über einer Woche nicht mehr zu finden. Vermutlich weil sich die Nachfrage in Grenzen hielt …

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