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Es war an einem schwülen Samstag-Abend in der U1, Haltestelle Buckhorn. In der U-Bahn stießen rund fünfzehn Partygäste aufeinander, die sich nicht kannten, insofern nur eins gemeinsam hatten, nämlich gerade auf der Fete gewesen zu sein. Worüber sollte man da reden? Über die Gastgeberin zu plaudern, war nicht so ergiebig: „Und woher kennst Du Almut?“ Von der Uni. Aha, ich auch.“ Betretendes Schweigen.

Auf einmal sehe ich in Augen meines Gegenübers etwas aufblitzen. Ihm schien eine verteufelt kommunikationsfördernde Frage eingefallen zu sein: „Wo mußt Du hin?“ – „Nach Kiwittsmoor“. „Oh, da fährst Du bestimmt über Barmbek!“ „Ne, ne, ich steige Ohlsdorf um, ich könnte aber auch den Bus nehmen und…“ Sogleich entfachte sich eine rege Diskussion über Fahrtverbindungen und Umsteigemöglichkeiten, lediglich unterbrochen durch vereinzelt eingeworfene Anekdoten: „Neulich, da bin ich Berliner Tor umgestiegen und habe die U2 verpaßt und mußte 19 Minuten warten, da es schon nach 23 Uhr war.“ „Nein! Mir ist schon etwas viel Schlimmeres passiert…“ Und schon jagte eine HVV-Anekdote die andere.

„Ich könnte aber auch“, sagte ein bebrillter Mitfahrer, um die Sache spannender zu machen, „mit der U 3 bis Schlump fahren und dann den Bus bis Dammtor nehmen, aber manchmal klappt das mit der Verbindung nicht.“

Gerade wollte ich einwerfen, daß man sich die ganze Diskutiererei im Grunde sparen könnte, wenn man das Computerprogramm „Metro“ benutzte, doch mein Einwand wird durch die lange Blonde neben mir übertönt, die gerade eine Geschichte über einen verpaßten Anschluß im Jahre sowieso zum Besten gibt.

Plötzlich schallt aus dem Lautsprecher die Ansage „Hauptbahnhof, Umsteigemöglichkeiten zur U- und S-Bahn“. Auf einmal rennen alle wild aufgeschreckt durcheinander. Man müsse unbedingt noch die U1, U2, S2, S31… kriegen.

Nachdem sich die U-Bahn-Türen mit einem lauten Rumps wieder geschlossen hatten, blieben nur meine Sitznachbarin, die sich noch schnell ein paar Routen-Tips notierte, und ich allein im Wagen zurück. „Sag mal, wer war das eigentlich alles?“ Entgeistert schaut sie mich an: „Keine Ahnung“. Wir mußten feststellen, daß wir nach 20 Minuten Fahrt nicht den blassesten Schimmer hatten, wer all diese netten jungen Leute waren und was sie so machen, wenn sie nicht gerade HVV fahren. Doch eines ist gewiß: Sollten wir sie irgendwann einmal besuchen wollen, wissen wir genau, wie wir dorthin kommen!

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