Octocopter von Amazon

Octocopter von Amazon

Die Nachricht schlug wie eine Bombe ein. Oder besser gesagt wie eine Drohnenbombe. Denn um genau um diese unbemannten Flugkörper ging es in einem Fernsehinterview, das Amazon-Chef Jeff Bezos dem US-Sender CBS Anfang Dezember gab. Der E-Commerce-Pionier will in vier bis fünf Jahren den Service Prime Air starten. Dieser bietet Amazon-Kunden die Möglichkeit, sich ihre Bestellungen von kleinen achtmotorigen Drohnen liefern zu lassen. Sie müssen dazu allerdings im Umkreis von 16 km eines Amazon-Logistikzentrums wohnen. Und die Sendung darf nicht schwerer als 2,5 Kilogramm sein.

Das klingt erst einmal toll. Das Problem ist nur, dass noch viele Fragen offen sind. Zum Beispiel, ob die unter chronischen Terrorangst leidende US-Flugsicherheitsbehörde diese Transportart genehmigt. Und wie verhindert man, dass unter den arabischstämnugen US- Bürgern eine Massenpanik ausbricht, wenn sich ein sogenannter Octocopter nähert. Schließlich haben ihre Verwandten und Bekannten in der Heimat bislang eher negative Erfahrungen mit Drohnen gemacht. TV-Serien wie „Homeland“ und „24“ nähren diese Befürchtungen kontinuierlich.

Und: Wie bitte klingelt eine Drohne an der Haustür des Kunden? Oder macht sie es wie viele ihrer Kollegen aus Fleisch und Blut – und steckt einfach nur eine Abholkarte in den Briefkasten? Außerdem: Wie reagiert eine Drohne, wenn der Besteller eines Modeartikels bei der Übergabe des Pakets aus alter Gewohnheit vor Glück schreit? Spielt die Drohne dann einen noch schrilleren Schrei-Sound ab? Oder stürzt sie vor Schreck ab? Woher weiß die Drohne, ob der Kunde zu Hause ist? Fragt er vor dem Start einen großen Bruder im All, der über eine Wärmekamera verfügt? Und was macht eine Drohne, wenn sie von einer nur mit einem Morgenmantel bekleidete grüne Witwe  – ebenfalls aus alter Gewohnheit – auf einen Kaffee hereingebeten wird? Folgt sie der Einladung oder schlägt sie der einsamen Frau ein technisches Gerät aus dem Amazon-Sortiment vor? Nach dem Motto: „Kundinnen, die …., haben … gekauft.“ Kurzum: Die Octocopter-Entwickler müssen noch viel Programmierarbeit leisten. Ein Vorteil lässt sich aber nicht wegdiskutieren: Drohnen können – anders als ihre menschlichen Kollegen in Bad Hersfeld und Leipzig – nicht streiken. Jedenfalls nicht bewusst, sondern lediglich bei technischen Mängeln.

Octocopter von Amazon

Schwebt über dem Verkehr: Die Paketdrohne von Amazon

Übrigens: Nach dem Bezos-Interview wurde bekannt, dass auch DHL und UPS am Thema Paketzustellung per Drohne arbeiten. Das heißt: Es zeichnet sich hierzulande ein Kampf um die Lufthoheit in der Paketzustellung ab. Es ist nur zu hoffen, dass das Verteidigungsministerium nicht am DHL-Projekt beteiligt ist. Sonst wird das nämlich nichts.

 

Der etwas andere Jahresausblick von Bert Rösch in der TextilWirtschaft 52/2012

Bei der Recherche zum Virtual Dressing probierte die TextilWirtschaft-Redaktion im Januar einen Körper-Scanner. Aufgrund eines Blitzeinschlags in das Gerät wurde eine Schülerpraktikantin 30 Jahre in die Zukunft transportiert. Sie brauchte ein Jahr, um in die Gegenwart zurückzukehren. In der Zeit hat sie natürlich fleißig alles notiert, was im Jahre 2032 in der Modebranche passiert ist. Eine Auswahl:

18. Januar 2032
Karl-Heinz Müller eröffnet in den Abfertigungshallen des stillgelegten Hauptstadt-Flughafens Willy Brandschutz die erste von sechs Bread & Butter-Messen des Jahres. Die Eröffnungsrede hält Wirtschaftsminister RöslerBot, der erste Politik-Androide Deutschlands, benannt nach dem ehemaligen Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, der Anfang der Zehnerjahre von der Opposition gerne als „Sprachroboter“ verspottet wurde.

 20. Januar
Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin löst turnusgemäß Dmitri Medwedew als Präsident ab. Bei der Inauguration trägt er einen Anzug des Labels Gazprom by Gucci.

5. Februar
In der texanischen Wüste öffnet das bislang größte Einkaufszentrum der Welt seine Pforten. Ankermieter aus dem Modebereich sind Ebay Fashion und Google Streetwear. Der Gebäudekomplex hat eine Verkaufsfläche von zwei Million Quadratmetern. Das entspricht 300 Fußballfeldern. Damit ist das Großprojekt – neben Fifa-Präsident Rainer Calmund – das einzige von Menschenhand geschaffene Werk, das vom Weltraum aus zu sehen ist. In der nächsten Baustufe soll ein internationaler Flughafen in die Mall integriert werden. Die Stromversorgung wird über einen eigenen Kernfusionsreaktor gewährleistet.

28. Februar
Der Modefilialist C & A stellt am Düsseldorfer Nordseestrand seine aktuelle Bademode-Kollektion vor.

29. März
Harald Glööckler präsentiert auf Deutschlands größtem Teleshopping-Kanal, dem ZDF, seine Couture-Kollektion für die Saison Frühjahr/Herbst.

20. April
Der schwedische Filialist H & M eröffnet in Pjöngjang seinen ersten nordkoreanischen Store. Die Gesamtzahl aller Filialen erhöht sich dadurch auf 22.000.

2. Mai
Rocket Internet-Chef Oliver Samwer startet in der Antarktis den zweihundertsten Ableger seines Online-Modeshops Zalando. Name: Icelando. Gleichzeitig vermeldet die Zalando-Holding in Berlin einen Rekordumsatz von 120 Milliarden an den chinesischen Yuan gekoppelte Nord-Euro (Neuro). Über das Ergebnis werden keine Angaben gemacht. Experten schätzen den Verlust auf mindestens 50 Milliarden Neuro. Dem Vernehmen nach ist nur die Konzerntochter Otto Group profitabel. Samwer muss sich trotzdem keine Sorgen machen. Schließlich hat er mit dem internationalen Konzern GaszpromEssoShell einen weiteren Großinvestor gewonnen.

28. Mai
Amazon erwirbt für 10 Billionen US-Yuan alle Markenrechte der USA, die künftig unter dem Namen United States of Amazon firmieren. Die regierende Militär-Junta unter Generalin Jenna Bush kann somit die Staatsverschuldung auf 300 Prozent des Bruttosozialprodukts senken. Daraufhin gibt Weltbank-Präsident Huang das lang versprochene Hilfspaket in Höhe von 400 Milliarden US-Yuan frei.

15. Juni
Die spanische Modemarke Desigual eröffnet in der Kathedrale Sagrada Familia Antoni Gaudi in Barcelona seinen bislang größten Flagship-Store.

2. August
Der Sportartikelkonzern NikeAdidasPuma (NAP) wird offizieller Ausrüster der Olympischen Winterspiele 2036 in Katar. Unterdessen weist IOC-Präsident Sepp Blatter Korruptionsvorwürfe strikt zurück. Katar habe sich aufgrund der eindeutig besseren Bewerbung gegen die bayerische Hauptstadt München durchgesetzt, die trotz des engagierten Einsatzes von Florinda Bogner zum fünften Mal mit ihrer Bewerbung gescheitert ist.

4. Oktober
Bundeskanzler Prof. h.c. (Hewlett-Packard Canon) Karl-Theodor usw. zu Guttenberg wird zum bestangezogenen Regierungschef der Welt gekürt. An der Umfrage der Electronic Ink-Zeitung Textile Business International nahmen weltweit drei Millionen Leser teil. Zara-Chef Santiago Fernandez kritisiert die Entscheidung, weil der Bundesvorsitzende der Piraten-Partei nur kopierte Zara-Anzüge trage.

20. November
Der Shopping-Center-Betreiber CentrO Management weiht pünktlich zum Weihnachtsgeschäft den voraussichtlich letzten Erweiterungsbau von Deutschlands größtem Einkaufszentrum CentrO ein. Damit ist die Integration von Oberhausen in das Shopping-Center abgeschlossen.

11. Dezember
Der Textil-Discounter-Konzern PrimarkTakkoKik wird offizieller Ausrüster des Orchesters der Hamburger Elbphilharmonie. Wann die Abendgarderobe erstmals öffentlich zu sehen ist, steht noch nicht fest. Die Eröffnung der Elbphilharmonie wurde auf den 8. Oktober 2033 verschoben. Experten bezweifeln aber, dass der Termin eingehalten wird.

Den kompletten Artikel finden Sie in der TextilWirtschaft 52/2012 oder auf der iPad App der TW

 

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Verbraucher A erhält einen Katalog des Autoherstellers B zugeschickt und legt diesen zur späteren Lektüre in seinen Zeitungsständer. Wenige Stunden später hat sich über die Broschüre eine dicke Schicht mit Tageszeitungen und Magazinen gebildet, die ebenfalls darauf warten, gelesen zu werden. Das geht ungefähr vier Monate so weiter. Erst als Verbraucher A eine Gebrauchsanweisung sucht, arbeitet er sich bis zur untersten Schicht des Stapels vor, den er zuvor stets nur teilweise aufgearbeitet hatte.

Nun entdeckt der Jacques Cousteau der Kiosk-Literatur den Katalog und findet sofort ein Modell, das ihm gefällt. Allein der Preis schreckt ihn noch ab. Doch da das Kaufinteresse nun einmal geweckt ist, ruft er im Internet nähere Informationen ab – und stellt zu seiner Freude fest, dass das Auto nicht mehr 14.900 Euro, sondern nur noch 1.990 Euro kostet. Plus 3.000 Euro Überführungsgebühr. Bezogen auf die Autobranche ist die Geschichte vom rapiden Preisverfall natürlich ein Märchen, selbst wenn man in Jahren statt in Monaten rechnet.

„Die Unperfekten“ werden zum perfekten Schnäppchen

Im Buchmarkt ist sie dagegen bittere Wahrheit. Denn haargenau das Gleiche ist mir vor ein paar Tagen passiert, als ich eine Ausgabe des Heftes „KulturSpiegel“, ein Beileger des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, beim Aufräumen fand. In der Rubrik „Buchtipps“ stieß ich auf den Roman „Die Unperfekten“ von Tom Rachman und Pieke Biermann, der laut Amazon-Rezension „auf höchst originelle Weise vom allmählichen, doch unaufhaltsamen Niedergang einer internationalen Tageszeitung mit Sitz in Rom“ erzählt. Für einen Journalisten und Medienredakteur wie mich natürlich eine absolute Pflichtlektüre.

Eine Grafik dokumentiert den rapiden Preisverfall des Buches

Und das Beste ist: Er kostet im gebrauchten Zustand nur noch 1,99 Euro plus 3 Euro Versand. Eine Grafik dokumentiert den Preisverfall des Printproduktes, dessen Wert sich in der Vorweihnachtszeit kurz auf 4 Euro erholte, um danach wieder dramatisch abzufallen. Fünf Tage lang kostete das Taschenbuch sogar nur 1,25 Euro. Dennoch ist der vor mir entrichtete Preis immer noch ein echtes Schnäppchen, zumal ich bei dem Buch nach Erhalt keine Gebrauchsspuren feststellen kann. Es wurde offenbar ungelesen weiterverkauft.

Drei Tage später fällt mir ein weiteres „KulturSpiegel“-Heft beim Auspacken des aktuellen „Spiegel“ entgegen. Bevor ich mir einen darin beschriebenen Buchtitel merken oder ihn gar notieren kann, habe ich das Heft schon ganz tief in meinem Zeitungs- und Zeitschriftenstapel vergraben. Ich bin schon ganz gespannt, wann ich es wieder finde und welche Schnäppchen ich dann machen werde.

 

"Ich gehe auf Amazon und dann zonk, zonk, zonk“

„Weißt Du, wie ich meine Weihnachtsgeschenke kaufe? Ich gehe auf Amazon und dann zonk, zonk, zonk“, spricht eine kurzhaarige, mit Jeans und einem schwarzen Mantel bekleidete Frau auf einer S-Bahn-Fahrt in ihr Handy. Am anderen Ende der Leitung taucht danach offenbar die Frage auf, ob dieFrau die Geschenke denn wenigstens selbst und individuell verpacke. Schließlichlautet die Antwort der Mittvierzigerin „Nein, nein. Das lasse ich auch von Amazon machen! Kostet zwar etwas mehr, aber ist soooo praktisch!“

Wohin soll dieses teilautomatisierte X-mas-Shopping noch führen? Denkbar wäre etwa eine Verknüpfungmit der Smartphone-App Shopgate. Gestresste Zeitgenossen können dort Geschlecht und Alter der zu Beschenkenden eingeben und bekommen anschließend Vorschläge aufs Handy geschickt, die sie natürlich auch mobil bestellen und bezahlen können. Ein ähnliches Angebot gibt es im Internet unter der Adresse www.tiadora.de.

Es dürfte daher nur noch eine Frage der Zeit sein, bis man auf Shopgate, Tiadora & Co automatisch Geschenke suchen lässt, diese mit der Wunschliste der Nichten und Neffen auf Amazon.de abgleicht und anschließend die Positivtreffer fertig eingepackt an die die Lieben schicken lässt. Ganz Clevere könnten die Anwendung „Auktions-Buddy“ hinzunehmen, die eine Woche lang auf günstigere Angebote bei Ebay wartet, bis sie die Bestellung auf den Weg bringt. Natürlich informieren Ebay und Amazon per Mail, was Sie letztendlich geschenkt haben, um Überraschungen am Telefon zu vermeiden. Einmal eingerichtet kommen die Geschenke künftig immer pünktlich zum Geburtstag oder Heiligabend an – und treffen im Gegensatz zu den traditionellen Socken und Krawatten stets den Geschmack des Beschenkten.

Das ist Ihnen zu unpersönlich? Abhilfe leistet das Programm „Scanahand“, das Ihrer Handschrift eine persönliche PC-Schriftart erstellt. Daraus lassen sich persönlich anmutende Glückwunsch- und Weihnachtskarten basteln, die den Geschenken beigelegt werden. Das nötige Add-on kann jeder IT-Student innerhalb von Minuten schreiben. Schöne, neue X-mas-Shopping world!
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