Das Medienecho war groß, als die Otto Group im vergangenen Jahr ankündigte, pensionierte Versandhandelsmanager zu reaktivieren. Die Heimkehrer sollen hauptsächlich als Berater eingesetzt werden, insbesondere in der IT. Personalchefin Sandra Widmaier wurde in der Folge tagelang in zahlreichen Zeitungen zitiert. Die „Bild“-Zeitung räumte für die Rentnerrückruf-Aktion sogar ihre Titelseite frei.

Otto Group-Personalchefin Sandra Widmaier

16 Monate später beschleicht den geneigten Beobachter der Verdacht, dass das Ganze nicht viel mehr als eine – wenn auch durchaus gelungene – PR-Aktion war. Denn wie Widmaier auf Anfrage mitteilte, hatte der Handelskonzern in diesem Jahr 20 so genannte Senior Experts im Einsatz. 20?! Bei einer Gesamtbelegschaft von fast 54.000 Mitarbeitern bewegt sich der Anteil im homöopathischen Bereich. Da ist aber auch egal. Die Story war einfach zu gut. So gut, dass die Otto Group monatelang weniger mit imageschädigenden Begriffen wie „Stellenabbau“ und „Universalversand in der Krise“ in Verbindung gebracht wurde. Sondern vielmehr mit Kino- und TV-Klassikern wie „Space Cowboys“ und „Der große Bellheim“. In den Streifen werden Rentner reaktiviert, um in Zeiten der Not Heldenhaftes zu vollbringen. Die einen müssen die Erde vor einem abstürzenden Satellit, die anderen einen Warenhauskonzern vor dem Ruin retten.

Wir sind daher gespannt, ob es den 20 opferbereiten Distanzhandels-Haudegen, den Dirty Twenty, gelingt, den kriselnden Handelskonzern endgültig in das von Twentysomething-Managern geprägte E-Commerce-Zeitalter zu führen. Zwei Fortsetzungen sollten mindestens drin sein.

 

Otto-Personalchefin Sandra Widmaier

Sandra Widmaier leitet schon seit sieben Jahren das Personalwesen der Otto Group. Doch so viel Aufmerksamkeit wie in der vergangenen Woche hat sie sicherlich noch nie erregt. Tagelang wurde sie in zahlreichen Zeitungen zitiert. Sie gehört zu den wenigen Personalern, die es auf die Titelseite der Bild-Zeitung geschafft haben.

Ihre Idee ist ebenso simpel wie genial: Die Verwaltungswissenschaftlerin holt bei personellen Engpässen pensionierte Versandhandelsmanager aus dem Ruhestand zurück und beschäftigt sie in der Neugründung Otto Group Senior Expert Consultancy. Die Heimkehrer sollen hauptsächlich als Berater eingesetzt werden, insbesondere in der IT.

Die Space Cowboys lassen grüßen

Widmaier ist damit ein PR-Coup erster Güte gelungen. Es ist also ihr Verdienst, dass die Otto Group in den kommenden Wochen und Monaten voraussichtlich weniger mit imageschädigenden Begriffen wie „Stellenabbau“ und „Universalversand in der Krise“ in Verbindung gebracht wird. Sondern vielmehr mit Kino- und TV-Klassikern wie „Space Cowboys“ und „Der große Bellheim“. In den Streifen werden Rentner reaktiviert, um in Zeiten der Not Heldenhaftes zu vollbringen. Die einen müssen die Erde vor einem abstürzenden Satellit, die anderen einen Warenhauskonzern vor dem Ruin retten.

Dass es Widmaiers alten Distanzhandels-Haudegen gelingt, den kriselnden Handelskonzern endgültig in das von Twentysomething-Managern geprägte E-Commerce-Zeitalter zu führen, ist zwar relativ unwahrscheinlich. Doch das macht auch nichts. Dafür ist die Story einfach zu gut. So gut, dass es nur wenigen Lesern noch gelingen dürfte, das Bild von den opferbereiten Otto-Oldies wieder aus dem Kopf zu bekommen. Auch dann, wenn die Otto Group im Herbst ihr Sanierungskonzept vorstellt, das aller Voraussicht nach Stellenkürzungen vorsieht.

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