Ein paar Klicks und eine digitale Unterschrift per Maus genügen, um eine Selbstauskunft zu beantragen.

Nachdem ich auf der Website Selbstauskunft.net alle von Werbungtreibenden gespeicherten Daten angefragt habe, bekomme ich fast wöchentlich Schreiben von sogenannten Listbrokern. Zu meiner Beruhigung erfahre ich, dass die Unternehmen in der Regel nur banale Daten wie Name, Postadresse, E-Mail-Adresse und Geburtsdatum gespeichert haben. Kein Wunder. Schließlich gebe ich diese Informationen freizügig an, wenn ich mich für kostenlose Services im Netz anmelde. Das ist halt der Deal: Dienstleistung gegen Adressen.

Bei den ersten Schreiben war ich jedes Mal erleichtert, dass die Datensammler nicht – wie befürchtet – über mein gesamtes Surf- und Kaufverhalten im Netz Bescheid wissen. Auch haben offenbar all die Firmen dicht gehalten, von denen ich Bonuskarten besitze. So wissen die Listbroker glücklicherweise nicht, was ich so alles in meinem Einkaufswagen im Supermarkt oder in der Drogerie packe.

Seltsamerweise teilen mir fast alle Listbroker mit, dass sie mich aus ihren Adresslisten genommen haben. Das war eigentlich gar nicht beabsichtigt. Ich wollte nur wissen, was die von mir wissen. Das heißt aber nicht, dass ich gar nichts mehr von ihnen wissen will. Sei’s drum. Dann muss ich wohl auf all die interessanten Kreditkarten- und Handyvertrag-Mailings nolens volens verzichten. Das gleiche gilt für die vielen angeblichen Gewinnbenachrichtigungen von Gewinnspielen, an denen ich nie teilgenommen habe – und hinter denen sich stets nur Neppangebote verbergen.

Gut geraten!

Das Informationsschreiben der Bertelsmann-Tochter Arvato überrascht mich dann aber doch. Denn neben den üblichen Basisinformationen gibt das Blatt auch über mein Alter Auskunft, dass anhand meines Vornamens geschätzt wurde. Arvato tippt, dass ich zwischen 1970 und 1974 geboren wurde. Nicht schlecht! 1970 wäre richtig gewesen. Andererseits: Dass nach 1974 kein Kind mehr Bert genannt wurde, war auch nicht besonders schwer zu erraten. Schließlich wurde 1973 die US-Kinderserie „Sesamstraße“ mit den Stoffpuppen Ernie und Bert in den Hauptrollen in Deutschland gestartet – mit fatalen Folgen für alle, die damals bereits Bert hießen.

Das ist der Beweis: Ich bin nicht tot!

Völlig perplex bin ich aber, als ich die Zeile „Verstorben“ lese. Zur Wahl stehen zwei Kennzeichnungen: 1 für „Person ist verstorben“ und 0 für „Sonstiges“. Glücklicherweise steht in meinem Schreiben eine nackte 0. Was ungefähr so viel bedeutet wie: „Wenn Sie diesen Brief lesen, sind Sie noch am Leben!“ Gut, dass wir nachgefragt haben!

 

 

Der Autor

 

Bert Rösch arbeitet als Wirtschaftsredakteur in Frankfurt. Der 44-Jährige berichtet für die Fachzeitschrift TextilWirtschaft über die Themen E-Commerce, IT und Logistik in der Modebranche. Davor arbeitete der studierte Historiker bei den Marketing- und Medienfachtiteln HORIZONT, ONEtoONE und text intern.

Weitere journalistische Erfahrungen sammelte der gebürtige Bremer in den Online-Redaktionen von AOL, Cityweb (WAZ/Axel Springer), GO ON (Axel Springer) und T1 New Media Bertelsmann. Somit hat er fast alle Bereiche der Internetwirtschaft von innen und außen kennengelernt, weshalb er sich gerne als 360-Grad-Online-Journalist bezeichnet.

In seinem Blog Medienkracher.de schreibt der Wahl-Frankfurter über Skurrilitäten aus Print, TV und Internet und erzählt Anekdoten aus seinem Leben als Modewirtschaftsredakteur. Zusätzliche Informationen zum Werdegang von Bert Rösch gibt es auf seiner Xing-Seite. Arbeitsproben finden Sie hier

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