Kontaktloses Bezahlen mit PayPass von MasterCard

Kontaktloses Bezahlen mit PayPass von MasterCard

Im August überraschte Karstadt mit der Ankündigung, in allen Filialen kontaktloses Bezahlen von Visa einzuführen. Das führte in Branchenkreisen zu Stirnrunzeln. Hat der finanziell angeschlagene Warenhauskonzern, dessen Umsätze stetig fallen und dessen Häuser vielerorts kontinuierlich verfallen, keine anderen Sorgen? Und wie muss man sich das bitte vorstellen? Das Stammkundin Oma Else aus ihrem beigefarbenen Anorak ein brandneues Samsung Galaxy IV-Handy kramt und den eingebauten NFC-Chip elegant am Lesegerät vorbeizieht?

Doch auf den zweiten Blick ergibt diese Maßnahme durchaus einen Sinn. Schließlich ist sie die konsequente Fortführung der konzerninternen Strategie, den Kontakt zur Umwelt auf ein Minimum zu reduzieren. Bestes Beispiel ist die nahezu kontaktlose Beratung durch das Verkaufspersonal. Nach den zahllosen Entlassungsrunden braucht man schon detektivisches Gespür, um die wenigen verbliebenen Verkäufer auf den Flächen zu finden. Das ist insofern fatal, als deutschen Warenhausverkäufern – meist zu Unrecht – ehe nachgesagt wird, dass sie sich wie Kakerlaken verhalten, wenn das Licht angeht.

Und wenn die Medienberichte stimmen, wonach sich das Management trotz erwiesener Erfolglosigkeit in den vergangenen Jahren hohe Boni ausgezahlt hat, während die Mitarbeiter Lohnkürzungen hinnehmen mussten, dann kann man davon ausgehen, dass auch die Führung den Kontakt verloren hat, und zwar zur Basis.

 

 

Nicolas Berggruen

Designierter Europaretter: Nicolas Berggruen

Bei seinem zurzeit bekanntesten Investment, dem maroden Warenhauskonzern Karstadt, glänzte Nicolas Berggruen bislang nur mit Taten- und Einfallslosigkeit. Doch wenn es um die Rettung der Krisenländer in Südeuropa geht, sprudelt der Kunstsammler geradezu vor Ideen, zusammengefasst in dem Buch „Klug regieren“, das der Investor im Juni zum allgemeinen Erstaunen veröffentlichte. Die Botschafter war klar: Wer Südeuropa und somit die gesamte EU rettet, hat nun wirklich keine Zeit für das überholte Warenhauskonzept und Rentnerparadies Karstadt. Fürwahr: Sollte es dem Deutsch-Amerikaner wirklich gelingen, die Pleite-Griechen, Spanier und Italiener wieder kreditwürdig zu machen, dann werden ihm Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter die aller Voraussicht nach gescheiterte Karstadt-Rettung sicherlich großzügig verzeihen.

Viel wahrscheinlicher ist aber leider, dass Berggruen sein Karstadt-Konzept als Blaupause für Südeuropa nutzt. Das heißt: Er kauft die bankrotten Staaten für je einen Euro auf, lässt sich monatelang als Retter feiern, um dann völlig überraschend überall Flagship-Stores von britischen Modemarken zu eröffnen, die im Süden des Kontinents kein Mensch kennt. Woran die Flagschiffhäuser wenig ändern, da sie weder angekündigt noch beworben werden.

Dann passiert zwei Jahre lang gar nichts. Bis auf das immer wieder, fast gebetsmühlenhaft vorgebrachte Versprechen, irgendwann mal hohe Milliardenbeträge in die am Boden liegende Wirtschaft der Krisenländer zu investieren. Dann verkauft er die Kronjuwelen, unter anderem die wenigen profitablen Sportvereine und die Weltstädte Paris, Madrid, Rom und Athen sowie Norditalien, das nach seinem neuen Eigner benannt wird: Berlusconien. Ein kleiner Teil des Verkaufserlöses fließt u.a. in die Sanierung der griechischen Innenstädte. Der Großteil des Geldes kommt aber über Umwege den verkauften Sportvereine zugute, an denen Berggruen weiterhin beteiligt bleibt. Gute Fußballspieler von Weltformat sind halt teuer.

 

 

Ist Grau das neue Blond?

Zwölf Uhr Mittag: Zwei Dutzend Teens und Twens stehen im Restaurant einer großen deutschen Warenhauskette für den berühmten Senioren-Teller Schlange. Sie tragen beigefarbene und graue Windjacken. Darunter wahlweise bunt bestickte Blusen und Falteneröcke oder schwarze Strickjacken – so wie ihr Idol Helmut Kohl bei den legendären Verhandlungen mit Michael Gorbatschow im Kaukasus.

Viele tragen Strümpfe in Sandalen. Ihre Haare sind wahlweise grau oder weiß gefärbt. Nach dem Essen liefern sich einige der jungen alten Herren spannende Rollatoren-Rennen. Erschöpft machen sie danach ihren wohlverdienten Mittagsschlaf. Am Nachmittag schauen sie Telenovas auf ARD und ZDF, ihren Lieblingssendern, neben den Shopping-Kanälen QVC und HSE24.

Aufstand der Alten?

Nein, das ist keine Neuverfilmung der ZDF-Dokumentation „2030 – Aufstand der Alten“, bei der aus Geldmangel junge Studenten die Generation 67 plus verkörpern. Es ist vielmehr das logische Ergebnis, wenn man die aktuellen modischen Entwicklungen zu Ende denkt und auf Deutschland überträgt. In Großbritannien färben sich neuerdings die Trendsetter, teilweise auch Filmstars und Models, die Haare grau oder weiß, sodass sie von weitem aussehen wie ihre Großeltern. „Graue Haare sind das neue Blond“, schreibt etwa das Frauenportal Brigitte.de.

Damit setzt sich der Trend fort, den Kleidungsgeschmack der älteren Generation zu übernehmen. Schon seit Jahren sind auf Fashion Shows Models zu sehen, die Socken in Sandalen tragen. Das war lange Zeit eine absolutes No Go in der Mode. Ebenfalls in vogue sind bereits Cardigans, Hosenträger, Fliegen sowie Flicken auf den Ärmeln.

Hoffnung für Renter-Paradies Karstadt

Sollte sich der Trend zur Altherren- und Altweibermode hierzulande weiter festsetzen, wäre das vielleicht die Rettung für die schlingernde Warenhauskette Karstadt, die offenbar wieder in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Schließlich will das Unternehmen seine Rechnung künftig einen Monat später bezahlen als sonst, was die meisten Lieferanten gar nicht witzig finden. Zusätzlich herrscht Medienberichten zufolge – abseits der frisch sanierten Vorzeige-Weltstadthäuser – ein großer Investitionsstau. Und wenn im Herbst der Sanierungstarifvertrag ausläuft, muss Karstadt 50 Millionen Euro mehr Löhne und Gehälter zahlen.

Sollten nun die jungen Leute das als Disney-Land der Rentner verschriene Warenhaus auf einmal hipp finden, könnten sich die Probleme binnen weniger Monate in Luft auflösen. Ob Karstadt-Chef Andrew Jennings das wohl weiß? Sollte er jedenfalls. Schließlich kommt er aus Großbritannien, dem Mutterland des „Aus alt mach cool“-Trends.

 

Special-Keys-Chef Hans-Christian Biedermann

Interview mit Hans Christian Biedermann, Managing Partner von der Testimonial-Agentur Special Keys, über den Einsatz von Politikerfrauen in der Modewerbung

Bettina Wulff trug kürzlich ein Abendkleid von Basler und wurde dafür  im Zuge der Debatte um die Vergünstigungen für ihren Ehemann Christian Wulff – stark kritisiert. Ist die Präsidentengattin ein Einzelfall oder ist Testimonial-Webung in der Politik schon gang und gäbe`?

Hans Christian Biedermann: Karin Stoiber ist bekennender Escada-Fan. Doris Schröder Köpf trägt gern Ouffits von Karstadt. Sie sitzt auch im Aufsichtsrat des Konzerns. Minu Barati Fischer, die Frau von Joschka Fischer, trägt gern Unrath & Strano. Sie ist mit Claus Unrath gut befreundet.

Wie kommen die Damen an die Outfits?
Politikerfrauen orientieren sich bei ihren Outfits gern an den Fashion-Ikonen aus der Film- und Fernsehbranche. Insbesondere bei Schauspielerinnen aus ihrem Freundeskreis, die genau jenen Look haben, die für die Polit-Gattin auch passt. Da wird dann schon einmal nachgehakt, ob es nicht möglich wäre, eine derartige Garderobe für einen Filmball, eine Ausstellungseröffnung oder eine Charity-Gala zu bekommen. Etwa so: „Deine Kleider finde ich klasse, das trifft genau meinen Stil. Kannst Du bitte für mich fragen?“ Es macht sich nämlich nicht gut, selbst beim Lieblingslabel anzurufen. Das ist zu plump. Teilweise sprechen die Veranstalter von A-List-Events das Büro eines Politikers an und sagen gleich bei der Einladung, dass man natürlich gern behilflich ist, für die Gattin oder auch den Politiker selbst ein veranstaltungskompatibles Outfit bereitzustellen. Quasi als Komplettpaket.

Was umfasst das Paket sonst noch?
Viele Modemarken haben bei Top-Veranstaltungen wie dem Bambi in benachbarten Hotels ganze Suiten gebucht, wo die Gäste ihr Wunsch-Outfit ausleihen können. In einer Suite sind die neuesten Abendkleider, in der nächsten das Haarstudio. Dann geht’s weiter in den Make-up-Bereich. Nach einem Rundgang ist man perfekt ausstaffiert für den Abend. Das ganze kann man natürlich nicht kaufen, das gibt’s nur auf Einladung. Denn die Marken haben ganz klare Vorstellungen, welche Persönlichkeit zu ihrer Philosophie und ihrer Positionierung passt.

Erhalten die Frauen die Kleider umsonst?
Die Society Ladies bekommen die Eventgarderobe in der Regel gestellt. Aber nur leihweise. Die Branche, aber auch die ausgestatteten Event-Gäste sind mittlerweile sensibilisiert. Und wenn ein Teil einmal besonders gut gefallen hat, dann kann man nach dem Event immer noch zuschlagen und das Outfit zum Freundschaftspreis käuflich erwerben. Je prominenter und werbewirksamer die Prominente ist, desto höher fällt dann in der Regel der Rabatt aus. Die Politikergattinen sollten dann aber bei den Presse-Talks schon fallen lassen, welche Marke sie gerade tragen. Gleiches gilt bei den populären Homestories, die am liebsten kurz vor anstehenden Wahlen in die Medien gelangen. Dort muss zumindest bei den Credits neben den Fotos zu lesen sein, von wem die Kleidung ist.

Passen die Kleider auch zu den Personen?
Die prominenten Kleiderkundinnen bekommen in der Regel Outfits gestellt, die ein leichtes Upgrade gegenüber ihrer sonstigen Garderobe darstellen. Als Gipfel der Exclusivität gilt, wenn eine Prominente ein Abendkleid bekommt, das so noch gar nicht im Handel erhältlich ist. So ist sichergestellt, dass keine andere Dame an diesem Abend das gleiche Kleid trägt. Wer so exklusiv unterwegs ist, sollte sich im Sinne eines Geben und Nehmens als Gegenleistung auch einmal auf der Modenschau des Ausstattungspartners sehen lassen.

Werden aktive Politiker auch ausgestattet?
Hauptstadt-Regent Klaus Wowereit wird vor seinen Besuchen bei ausgewählten Shows der Berlin Fashion Week auch mit dem neuesten versorgt, das die Herrenausstatter – bevorzugt die Metzinger – zu bieten haben. Nicht ohne Grund: Die Stilbibel „GQ“ hat „Wowi“ 2011 zu ihrem „Man of the Year“ gekürt.

Kann man Frau Wulff ähnliche Komplimente machen?
Bettina Wulff macht sich als Präsidentengattin richtig gut. Sie wählt ihre Kleidung geschickt – dem jeweiligen Anlass entsprechend – aus. Bevor ihr Mann Bundespräsident wurde, legte sie weit weniger Wert auf ihre Kleidung.

Hat Bettina Wulff in der Welt der Fashion-Ausstatter so etwas wie verbrannte Erde hinterlassen?
Das nicht, aber sie hat auf jeden Fall für eine erhöhte Alarmbereitschaft gesorgt. Im Zuge der aktuellen Compliance-Diskussionen machen sich Politikerfrauen in diesem Jahr noch mehr Gedanken. Ihnen ist wichtig, dass sie ihre schönen Garderobenteile entweder kaufen oder nur leihen. Und nicht – wie vor wenigen Jahren noch üblich – vor jedem wichtigen Event große Pakete von den angesagten Designern in ihren Villen anliefern lassen. Diese Zeiten sind definitiv vorbei. Die Politikergattinnen wollen alles vermeiden, was dem Image ihres Gatten in Amt und Würden schaden könnte.

War da vor der Wulff-Debatte auch schon der Fall?
Die aktuelle Krise ist nur der Tropfen auf den heißen Stein. Gerade im vergangenen Jahr hat man als Branchen-Insider bereits gesehen, dass eine gesunde Sensibilität eingezogen ist, die jetzt durch die Präsidenten-Debatte weiter an Hitze gewonnen hat. Beim Fernsehpreis Anfang Februar werden wir sicherlich beobachten, dass die ein oder andere Prominente auf die Journalistenfrage, ob das das schöne neue Kleid von Designer A oder Label B sei, selbstbewusst antwortet: „Weder noch, das ist Vintage – aus meinem eigenen Kleiderschrank. Und das ist auch gut so!“

 

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