Nach Julien Assange, Edward Snowden und dem International Consortium of Investigative Journalism (Luxembourg Leaks) ist jetzt auch der TextilWirtschaft ein Daten-Scoop gelungen: Der Redaktion wurde eine CD mit brisanten Inhalten zugespielt – den Buch-Neuerscheinungen des Jahres 2015. Die Highlights daraus veröffentlicht die TW vorab und exklusiv. Sehr exklusiv!

Belletristik
Nicolas Berggruen: Ich bin dann mal weg. Aus dem Deutsch-Amerikanischen von Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. Schnäppchenverlag, Essen. Preis: 1 Euro.

Albert Eickhoff: Adieu auf der Kö – wie ich mit Prada, Gucci und Dior die Geduld verlor. Ein lyrischer Abgesang auf das hohe Genre. Früher-hätt’s-das-nich-gegeben-Verlag, Lippstadt.

Steve Jobs: 1000 ganz legale Steuertricks. Mit einem Vorwort von Jean-Claude Juncker. Bayern-Hoeneß-Verlag, Luxemburg. Wegen akuter Leak-Gefahr nicht als E-Book erhältlich.

Thomas Middelhoff: Der 60-Jährige, der aus dem Fenster stieg und mit dem Taxi verschwand. Aus dem Ostwestfälischen von U.E. Behr-Setzer. Abbau Verlag, Bielefeld/Saint-Tropez. Preis: 39,99 Euro.

Dr. Gerd Müller: Alles Müller oder wir basteln uns ein Texilsiegel. Inklusive Strickanleitung und einem Knäuel grüner Wolle. Einsturz-Verlag Dhaka/Berlin. Preis: Verhandlungssache.

David Schneider/Robert Gentz/Rubin Ritter: Liebling, ich habe die Kinder skaliert. Eine Anleitung, etwas ganz Großes zu schaffen. Pure Play Medien Umspannwerk Prenzelberg. Nur als E-Book erhältlich. Preis: 29,90 Euro.

Gerhard Weber: Niemals geht man so ganz. Mein Leben. CenterCourt-Verlag, Halle/Westfalen.

Ratgeber
Anonymus: Ich war eine PET-Flasche. Leitfaden für die Fertigung täuschend echt aussehender Kunstfell-Bommel. Beim Kauf von zwei Büchern gibt es einen Shitstorm gratis. Acht-Füßler-Verlag, Buxtehude. Preis: 14,50 Euro.

B. Hersfeld: Wir streiken! Wie man den Weltkonzern Amazon lahmlegt. Werdi-Verlag, Berlin, 8,49 Euro

Karl-Heinz Müller: Die schönsten Messe-Standorte der Welt. Brot und Butter-Verlag, Berlin/Barcelona/Seoul, 2500 Seiten. Inklusive ausklappbarer Weltkarte.

Oliver Samwer: 100 markets you have to enter before you die. Auflage: 33 Millionen. Bulle_Bär-Verlag, Frankfurt. Ausgabepreis: 42,50 Euro.

Eva Lotta Sjöstedt: Zehn Fragen, die Du Dir vor dem Jobwechsel stellen solltest. Billy-Verlag Stockholm. Preis: 19,99 Euro, jetzt nur 7,99 Euro.

O. O. Stock: Daunenjacken im Juni. Oder: Was der Kunde wirklich will. Loseblattsammlung, Grotesk-Verlag, Frankfurt, 17,99 Euro.

Enthüllt von Bert Rösch, Mitarbeit AH, SL, UB

Entnommen aus: TextilWirtschaft 52 vom 25.12.2014, Seite 50

 

 

Nicolas Berggruen

Designierter Europaretter: Nicolas Berggruen

Bei seinem zurzeit bekanntesten Investment, dem maroden Warenhauskonzern Karstadt, glänzte Nicolas Berggruen bislang nur mit Taten- und Einfallslosigkeit. Doch wenn es um die Rettung der Krisenländer in Südeuropa geht, sprudelt der Kunstsammler geradezu vor Ideen, zusammengefasst in dem Buch „Klug regieren“, das der Investor im Juni zum allgemeinen Erstaunen veröffentlichte. Die Botschafter war klar: Wer Südeuropa und somit die gesamte EU rettet, hat nun wirklich keine Zeit für das überholte Warenhauskonzept und Rentnerparadies Karstadt. Fürwahr: Sollte es dem Deutsch-Amerikaner wirklich gelingen, die Pleite-Griechen, Spanier und Italiener wieder kreditwürdig zu machen, dann werden ihm Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter die aller Voraussicht nach gescheiterte Karstadt-Rettung sicherlich großzügig verzeihen.

Viel wahrscheinlicher ist aber leider, dass Berggruen sein Karstadt-Konzept als Blaupause für Südeuropa nutzt. Das heißt: Er kauft die bankrotten Staaten für je einen Euro auf, lässt sich monatelang als Retter feiern, um dann völlig überraschend überall Flagship-Stores von britischen Modemarken zu eröffnen, die im Süden des Kontinents kein Mensch kennt. Woran die Flagschiffhäuser wenig ändern, da sie weder angekündigt noch beworben werden.

Dann passiert zwei Jahre lang gar nichts. Bis auf das immer wieder, fast gebetsmühlenhaft vorgebrachte Versprechen, irgendwann mal hohe Milliardenbeträge in die am Boden liegende Wirtschaft der Krisenländer zu investieren. Dann verkauft er die Kronjuwelen, unter anderem die wenigen profitablen Sportvereine und die Weltstädte Paris, Madrid, Rom und Athen sowie Norditalien, das nach seinem neuen Eigner benannt wird: Berlusconien. Ein kleiner Teil des Verkaufserlöses fließt u.a. in die Sanierung der griechischen Innenstädte. Der Großteil des Geldes kommt aber über Umwege den verkauften Sportvereine zugute, an denen Berggruen weiterhin beteiligt bleibt. Gute Fußballspieler von Weltformat sind halt teuer.

 

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