Der MDR hat den TW-Redakteur Bert Rösch zum Thema Retouren im Modehandel befragt. Den Beitrag können Sie sich hier anhören. In der ARD-Mediathek ist er nicht mehr abrufbar, weil die Beiträge nur eine Woche lang bereitgestellt werden dürfen.
Medienkracher – Kurioses aus der Kommunikation
In diesem privaten Weblog schreibt der Ex-Medienjournalist Bert Rösch über Skurrilitäten aus Print, TV und Internet und erzählt Anekdoten aus seinem Leben als Online-Wirtschaftsredakteur.
Der MDR hat den TW-Redakteur Bert Rösch zum Thema Retouren im Modehandel befragt. Den Beitrag können Sie sich hier anhören. In der ARD-Mediathek ist er nicht mehr abrufbar, weil die Beiträge nur eine Woche lang bereitgestellt werden dürfen.

Die Nachricht schlug wie eine Bombe ein. Oder besser gesagt wie eine Drohnenbombe. Denn um genau um diese unbemannten Flugkörper ging es in einem Fernsehinterview, das Amazon-Chef Jeff Bezos dem US-Sender CBS Anfang Dezember gab. Der E-Commerce-Pionier will in vier bis fünf Jahren den Service Prime Air starten. Dieser bietet Amazon-Kunden die Möglichkeit, sich ihre Bestellungen von kleinen achtmotorigen Drohnen liefern zu lassen. Sie müssen dazu allerdings im Umkreis von 16 km eines Amazon-Logistikzentrums wohnen. Und die Sendung darf nicht schwerer als 2,5 Kilogramm sein
Das klingt erst einmal toll. Das Problem ist nur, dass noch viele Fragen offen sind. Zum Beispiel, ob die unter chronischen Terrorangst leidende US-Flugsicherheitsbehörde diese Transportart genehmigt. Und wie verhindert man, dass unter den arabischstämnugen US- Bürgern eine Massenpanik ausbricht, wenn sich ein sogenannter Octocopter nähert. Schließlich haben ihre Verwandten und Bekannten in der Heimat bislang eher negative Erfahrungen mit Drohnen gemacht. TV-Serien wie „Homeland“ und „24“ nähren diese Befürchtungen kontinuierlich.
Und: Wie bitte klingelt eine Drohne an der Haustür des Kunden? Oder macht sie es wie viele ihrer Kollegen aus Fleisch und Blut – und steckt einfach nur eine Abholkarte in den Briefkasten? Außerdem: Wie reagiert eine Drohne, wenn der Besteller eines Modeartikels bei der Übergabe des Pakets aus alter Gewohnheit vor Glück schreit? Spielt die Drohne dann einen noch schrilleren Schrei-Sound ab? Oder stürzt sie vor Schreck ab? Woher weiß die Drohne, ob der Kunde zu Hause ist? Fragt er vor dem Start einen großen Bruder im All, der über eine Wärmekamera verfügt? Und was macht eine Drohne, wenn sie von einer nur mit einem Morgenmantel bekleidete grüne Witwe – ebenfalls aus alter Gewohnheit – auf einen Kaffee hereingebeten wird? Folgt sie der Einladung oder schlägt sie der einsamen Frau ein technisches Gerät aus dem Amazon-Sortiment vor? Nach dem Motto: „Kundinnen, die …., haben … gekauft.“ Kurzum: Die Octocopter-Entwickler müssen noch viel Programmierarbeit leisten. Ein Vorteil lässt sich aber nicht wegdiskutieren: Drohnen können – anders als ihre menschlichen Kollegen in Bad Hersfeld und Leipzig – nicht streiken. Jedenfalls nicht bewusst, sondern lediglich bei technischen Mängeln.

Übrigens: Nach dem Bezos-Interview wurde bekannt, dass auch DHL und UPS am Thema Paketzustellung per Drohne arbeiten. Das heißt: Es zeichnet sich hierzulande ein Kampf um die Lufthoheit in der Paketzustellung ab. Es ist nur zu hoffen, dass das Verteidigungsministerium nicht am DHL-Projekt beteiligt ist. Sonst wird das nämlich nichts.

Im August überraschte Karstadt mit der Ankündigung, in allen Filialen kontaktloses Bezahlen von Visa einzuführen. Das führte in Branchenkreisen zu Stirnrunzeln. Hat der finanziell angeschlagene Warenhauskonzern, dessen Umsätze stetig fallen und dessen Häuser vielerorts kontinuierlich verfallen, keine anderen Sorgen? Und wie muss man sich das bitte vorstellen? Das Stammkundin Oma Else aus ihrem beigefarbenen Anorak ein brandneues Samsung Galaxy IV-Handy kramt und den eingebauten NFC-Chip elegant am Lesegerät vorbeizieht?
Doch auf den zweiten Blick ergibt diese Maßnahme durchaus einen Sinn. Schließlich ist sie die konsequente Fortführung der konzerninternen Strategie, den Kontakt zur Umwelt auf ein Minimum zu reduzieren. Bestes Beispiel ist die nahezu kontaktlose Beratung durch das Verkaufspersonal. Nach den zahllosen Entlassungsrunden braucht man schon detektivisches Gespür, um die wenigen verbliebenen Verkäufer auf den Flächen zu finden. Das ist insofern fatal, als deutschen Warenhausverkäufern – meist zu Unrecht – ehe nachgesagt wird, dass sie sich wie Kakerlaken verhalten, wenn das Licht angeht.
Und wenn die Medienberichte stimmen, wonach sich das Management trotz erwiesener Erfolglosigkeit in den vergangenen Jahren hohe Boni ausgezahlt hat, während die Mitarbeiter Lohnkürzungen hinnehmen mussten, dann kann man davon ausgehen, dass auch die Führung den Kontakt verloren hat, und zwar zur Basis.
Bei seinem zurzeit bekanntesten Investment, dem maroden Warenhauskonzern Karstadt, glänzte Nicolas Berggruen bislang nur mit Taten- und Einfallslosigkeit. Doch wenn es um die Rettung der Krisenländer in Südeuropa geht, sprudelt der Kunstsammler geradezu vor Ideen, zusammengefasst in dem Buch „Klug regieren“, das der Investor im Juni zum allgemeinen Erstaunen veröffentlichte. Die Botschafter war klar: Wer Südeuropa und somit die gesamte EU rettet, hat nun wirklich keine Zeit für das überholte Warenhauskonzept und Rentnerparadies Karstadt. Fürwahr: Sollte es dem Deutsch-Amerikaner wirklich gelingen, die Pleite-Griechen, Spanier und Italiener wieder kreditwürdig zu machen, dann werden ihm Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter die aller Voraussicht nach gescheiterte Karstadt-Rettung sicherlich großzügig verzeihen.
Viel wahrscheinlicher ist aber leider, dass Berggruen sein Karstadt-Konzept als Blaupause für Südeuropa nutzt. Das heißt: Er kauft die bankrotten Staaten für je einen Euro auf, lässt sich monatelang als Retter feiern, um dann völlig überraschend überall Flagship-Stores von britischen Modemarken zu eröffnen, die im Süden des Kontinents kein Mensch kennt. Woran die Flagschiffhäuser wenig ändern, da sie weder angekündigt noch beworben werden.
Dann passiert zwei Jahre lang gar nichts. Bis auf das immer wieder, fast gebetsmühlenhaft vorgebrachte Versprechen, irgendwann mal hohe Milliardenbeträge in die am Boden liegende Wirtschaft der Krisenländer zu investieren. Dann verkauft er die Kronjuwelen, unter anderem die wenigen profitablen Sportvereine und die Weltstädte Paris, Madrid, Rom und Athen sowie Norditalien, das nach seinem neuen Eigner benannt wird: Berlusconien. Ein kleiner Teil des Verkaufserlöses fließt u.a. in die Sanierung der griechischen Innenstädte. Der Großteil des Geldes kommt aber über Umwege den verkauften Sportvereine zugute, an denen Berggruen weiterhin beteiligt bleibt. Gute Fußballspieler von Weltformat sind halt teuer.
Nachdem ich auf der Website Selbstauskunft.net alle von Werbungtreibenden gespeicherten Daten angefragt habe, bekomme ich fast wöchentlich Schreiben von sogenannten Listbrokern. Zu meiner Beruhigung erfahre ich, dass die Unternehmen in der Regel nur banale Daten wie Name, Postadresse, E-Mail-Adresse und Geburtsdatum gespeichert haben. Kein Wunder. Schließlich gebe ich diese Informationen freizügig an, wenn ich mich für kostenlose Services im Netz anmelde. Das ist halt der Deal: Dienstleistung gegen Adressen.
Bei den ersten Schreiben war ich jedes Mal erleichtert, dass die Datensammler nicht – wie befürchtet – über mein gesamtes Surf- und Kaufverhalten im Netz Bescheid wissen. Auch haben offenbar all die Firmen dicht gehalten, von denen ich Bonuskarten besitze. So wissen die Listbroker glücklicherweise nicht, was ich so alles in meinem Einkaufswagen im Supermarkt oder in der Drogerie packe.
Seltsamerweise teilen mir fast alle Listbroker mit, dass sie mich aus ihren Adresslisten genommen haben. Das war eigentlich gar nicht beabsichtigt. Ich wollte nur wissen, was die von mir wissen. Das heißt aber nicht, dass ich gar nichts mehr von ihnen wissen will. Sei’s drum. Dann muss ich wohl auf all die interessanten Kreditkarten- und Handyvertrag-Mailings nolens volens verzichten. Das gleiche gilt für die vielen angeblichen Gewinnbenachrichtigungen von Gewinnspielen, an denen ich nie teilgenommen habe – und hinter denen sich stets nur Neppangebote verbergen.
Gut geraten!
Das Informationsschreiben der Bertelsmann-Tochter Arvato überrascht mich dann aber doch. Denn neben den üblichen Basisinformationen gibt das Blatt auch über mein Alter Auskunft, dass anhand meines Vornamens geschätzt wurde. Arvato tippt, dass ich zwischen 1970 und 1974 geboren wurde. Nicht schlecht! 1970 wäre richtig gewesen. Andererseits: Dass nach 1974 kein Kind mehr Bert genannt wurde, war auch nicht besonders schwer zu erraten. Schließlich wurde 1973 die US-Kinderserie „Sesamstraße“ mit den Stoffpuppen Ernie und Bert in den Hauptrollen in Deutschland gestartet – mit fatalen Folgen für alle, die damals bereits Bert hießen.

Völlig perplex bin ich aber, als ich die Zeile „Verstorben“ lese. Zur Wahl stehen zwei Kennzeichnungen: 1 für „Person ist verstorben“ und 0 für „Sonstiges“. Glücklicherweise steht in meinem Schreiben eine nackte 0. Was ungefähr so viel bedeutet wie: „Wenn Sie diesen Brief lesen, sind Sie noch am Leben!“ Gut, dass wir nachgefragt haben!
Man stelle sich folgendes Szenario vor: Verbraucher A erhält einen Katalog des Autoherstellers B zugeschickt und legt diesen zur späteren Lektüre in seinen Zeitungsständer. Wenige Stunden später hat sich über die Broschüre eine dicke Schicht mit Tageszeitungen und Magazinen gebildet, die ebenfalls darauf warten, gelesen zu werden. Das geht ungefähr vier Monate so weiter. Erst als Verbraucher A eine Gebrauchsanweisung sucht, arbeitet er sich bis zur untersten Schicht des Stapels vor, den er zuvor stets nur teilweise aufgearbeitet hatte.
Nun entdeckt der Jacques Cousteau der Kiosk-Literatur den Katalog und findet sofort ein Modell, das ihm gefällt. Allein der Preis schreckt ihn noch ab. Doch da das Kaufinteresse nun einmal geweckt ist, ruft er im Internet nähere Informationen ab – und stellt zu seiner Freude fest, dass das Auto nicht mehr 14.900 Euro, sondern nur noch 1.990 Euro kostet. Plus 3.000 Euro Überführungsgebühr. Bezogen auf die Autobranche ist die Geschichte vom rapiden Preisverfall natürlich ein Märchen, selbst wenn man in Jahren statt in Monaten rechnet.
„Die Unperfekten“ werden zum perfekten Schnäppchen
Im Buchmarkt ist sie dagegen bittere Wahrheit. Denn haargenau das Gleiche ist mir vor ein paar Tagen passiert, als ich eine Ausgabe des Heftes „KulturSpiegel“, ein Beileger des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, beim Aufräumen fand. In der Rubrik „Buchtipps“ stieß ich auf den Roman „Die Unperfekten“ von Tom Rachman und Pieke Biermann, der laut Amazon-Rezension „auf höchst originelle Weise vom allmählichen, doch unaufhaltsamen Niedergang einer internationalen Tageszeitung mit Sitz in Rom“ erzählt. Für einen Journalisten und Medienredakteur wie mich natürlich eine absolute Pflichtlektüre.

Und das Beste ist: Er kostet im gebrauchten Zustand nur noch 1,99 Euro plus 3 Euro Versand. Eine Grafik dokumentiert den Preisverfall des Printproduktes, dessen Wert sich in der Vorweihnachtszeit kurz auf 4 Euro erholte, um danach wieder dramatisch abzufallen. Fünf Tage lang kostete das Taschenbuch sogar nur 1,25 Euro. Dennoch ist der vor mir entrichtete Preis immer noch ein echtes Schnäppchen, zumal ich bei dem Buch nach Erhalt keine Gebrauchsspuren feststellen kann. Es wurde offenbar ungelesen weiterverkauft.
Drei Tage später fällt mir ein weiteres „KulturSpiegel“-Heft beim Auspacken des aktuellen „Spiegel“ entgegen. Bevor ich mir einen darin beschriebenen Buchtitel merken oder ihn gar notieren kann, habe ich das Heft schon ganz tief in meinem Zeitungs- und Zeitschriftenstapel vergraben. Ich bin schon ganz gespannt, wann ich es wieder finde und welche Schnäppchen ich dann machen werde.

„Weißt Du, wie ich meine Weihnachtsgeschenke kaufe? Ich gehe auf Amazon und dann zonk, zonk, zonk“, spricht eine kurzhaarige, mit Jeans und einem schwarzen Mantel bekleidete Frau auf einer S-Bahn-Fahrt in ihr Handy. Am anderen Ende der Leitung taucht danach offenbar die Frage auf, ob dieFrau die Geschenke denn wenigstens selbst und individuell verpacke. Schließlichlautet die Antwort der Mittvierzigerin „Nein, nein. Das lasse ich auch von Amazon machen! Kostet zwar etwas mehr, aber ist soooo praktisch!“
Es dürfte daher nur noch eine Frage der Zeit sein, bis man auf Shopgate, Tiadora & Co automatisch Geschenke suchen lässt, diese mit der Wunschliste der Nichten und Neffen auf Amazon.de abgleicht und anschließend die Positivtreffer fertig eingepackt an die die Lieben schicken lässt. Ganz Clevere könnten die Anwendung „Auktions-Buddy“ hinzunehmen, die eine Woche lang auf günstigere Angebote bei Ebay wartet, bis sie die Bestellung auf den Weg bringt. Natürlich informieren Ebay und Amazon per Mail, was Sie letztendlich geschenkt haben, um Überraschungen am Telefon zu vermeiden. Einmal eingerichtet kommen die Geschenke künftig immer pünktlich zum Geburtstag oder Heiligabend an – und treffen im Gegensatz zu den traditionellen Socken und Krawatten stets den Geschmack des Beschenkten.
Dass Unternehmensberater sehr häufig reisen, ist bekannt. Dass viele von ihnen infolge des unsteten Arbeitslebens körperlich stark abbauen und sich daher nach zwei oder drei Jahre einen ruhigeren Job suchen, ist ebenfalls kein Geheimnis. Doch dass die Vielfliegerei mitunter auch geistige Verwirrung und völlige Orientierungslosigkeit zur Folge haben kann, war mir neu.
Beim Aufräumen finde ich einen Stapel mit Reklame bzw. – wie es in der Dialogmarketing-Sprache korrekt heißt – teiladressierter Direktwerbung und entdecke ein wahres Fundstück in puncto streuverlustreicher Werbung: Der Lebensmittel-Discounter Penny bietet in einem Prospekt einen Weltraumflug zum Schnäppchenpreis von 99.999 Euro an. Ich wiederhole: Penny bietet Weltraumflüge an!
Das ist ungefähr so, als ob Prada in seinen Flagship-Stores in Mailand und Moskau Rotwein aus Tetrapaks verkaufen würde. Als ob jemand, der für einen Wochenend-Ausflug knapp 100.000 Euro übrig hat, bei Penny einkaufen und kurz vor der Kasse spontan eine „unvergessliche Reise ins Weltall“ (Werbetext) in den Einkaufswagen legen würde. Okay, man kann die Reise nicht direkt bei Penny kaufen, aber die entsprechenden Prospekte liegen direkt an der Kasse – Quengelware für Millionäre quasi.
Dazu kommt, dass ich das Angebot im Penny in der Mainzer Landstraße im Frankfurter Stadtteil Gallus gefunden habe. Eine Kollegin nennt das Geschäft liebevoll den „prolligsten Penny Deutschlands“, unter anderem weil dort viele Hartzer (Hartz-IV-Empfänger) anzutreffen sind, die mit Lebensmittelschecks bezahlen. Und vor der Eingangstür lungern regelmäßig Penner herum, die um den obligatorischen Euro betteln.
Es gibt ein gutes altes Marketingsprichtwort, wonach die Hälfte der Werbegelder rausgeschmissenes Geld ist, aber man nie weiß, welche Hälfte verschwendet ist. Bei Penny dürfte die entsprechende Quote dem Kaufpreis der Reise entsprechen: 99,999, vorausgesetzt man rechnet in TEURO.
Absurd mutet auch die Anreise zum Flughafen an: Rail & Fly 2. Klasse inklusive ICE-Nutzung. 2. Klasse? Wer fast 100.000 Euro für einen Kurztripp ausgibt, will bestimmt nicht zwischen Rucksack-Touristen und quengligen Kindern reisen.
Die Folge: Laut Prospekt ist das Angebot bis zum 26. Februar verfügbar. Im Online-Shop ist es aber seit über einer Woche nicht mehr zu finden. Vermutlich weil sich die Nachfrage in Grenzen hielt …