Print Friendly

HORIZONT-Expertentalk: Dr. Florian Jodl, Männermodechef von Zalando, im Gespräch mit Bert Rösch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier auf YouTube anschauen

 

Oder hier als Audio-File in zwei Teilen anhören:

 

 
 
Print Friendly

Montag: Die „Süddeutsche Zeitung“ bestätigt meinen Nachsendeantrag nach Bremen und macht dabei einen entscheidenden Fehler: „Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Urlaub fern der Heimat“, heißt es in dem Schreiben. Fern der Heimat? Bremen ist meine Heimat! Hätte die „SZ“ ein funktionierendes CRM-System, wüsste sie, dass ich aus der Hansestadt komme. Schließlich habe ich dort schon als Schüler die „Süddeutsche“ bezogen. Andererseits bin ich auch froh, dass die Zeitung offensichtlich nicht allzu viel persönliche Daten über mich gespeichert hat.

Dienstag: Zugegeben, die Auktionsplattform Ebay ist ob der mäßigen Geschäftsentwicklung der letzten Zeit nicht mehr die Erfolgsgeschichte, die sie einmal war. Doch wenn es darum geht, gebrauchte Spielsachen zu finden, ist die Website immer noch unschlagbar. Wo sonst kann man so schnell und für so wenig Geld Ernie- und Bert-Puppen ersteigern? Ich verschenke diese an Kinder von Freunden und Verwandten, damit die Sprösslinge meinen Namen schnell lernen. So geschehen bei meiner Nichte: Deren Vater staunte nicht schlecht, als sie morgens lauthals den Namen ihres 600 Kilometer entfernten Onkels rief. Des Rätsels Lösung: Die Stoffpuppe Bert war aus dem Bett gefallen und sollte schnellstmöglich zurückgebracht werden. Was lernt der Marketer daraus? Richtig: Man kann mit der Markenbildung nicht früh genug anfangen!

Mittwoch: Ein negatives Beispiel für die Einführung einer Marke liefert die erst vor einem halben Jahr gegründete Online-Marketing-Messe DMEX: Da hat sich die Branche gerade an den neuen Namen gewöhnt, schon hängt die Messe Köln das mysteriöse Kürzel „co“ hintendran. Was soll das heißen? Hat Pepsico die DMEX gekauft? Nein! Die Veranstalter wollen damit unterstreichen, dass das Event auch einen Kongressteil hat. Der wahre Grund ist aber vermutlich die Namensähnlichkeit mit dem Männersender DMAX. Aber wusste man das nicht schon vorher? Und was kommt als Nächstes? Ein weiteres „co“, um den neuen Standort Köln (Cologne) zu betonen?

Donnerstag: Eigentlich – so dachte ich zumindest – sollte das vor Monaten bei Ebay ersteigerte Produktbündel von neun Ernies und sechs Berts lange Zeit reichen. Doch da hatte ich die Rechnung ohne meine Kolleginnen gemacht, bei denen meine Erzählungen von den Ebay-Auktionen neue Begehrlichkeiten weckten. O-Ton: „Ich will auch einen Ernie!“ In der Folge fragte eine Kollegin wenige Tage später erstaunt: „Warum stehen hier eigentlich überall Ernies?“ Wie gut, dass der Paketbote heute eine neue Ladung gebracht hat.

Freitag: Das Problem bei gebrauchten Stoffpuppen: Man weiß nicht, wer sie schon vorher alles in der Hand gehabt hat. Also, ab in die Waschmaschine damit! So bietet sich mir abends zur Primetime ein seltenes Schauspiel, das im wahrsten Sinne des Wortes jeder Reality- und Promi-Show das Wasser reichen kann: Ich verfolge hautnah, wie acht Ernies und elf Berts bei 60 Grad gegen das tosende Spülwasser ankämpfen, wacker dem Schleudergang trotzen und am Ende mit einem Lächeln auf den Lippen aus der Maschine kommen. Das soll Stefan Raab erst einmal nachmachen!

Samstag: Ich schaue mir auf Premiere das Bundesligaspiel Bremen gegen Frankfurt an. Dabei stelle ich schnell fest, dass den Programm-Machern der Kauf der Übertragungsrechte offensichtlich wichtiger ist als die aktuelle Partie. Schließlich wiederholt der Moderator gebetsmühlenartig, dass sich der Bezahlsender die Übertragungsrechte bis 2013 gesichert hat. Zudem verkündet der Kanal stolz oben links im Bild: „Live – Bundesliga bis 2013“.

Sonntag: Meine Ernie-und-Bert-Armee ist inzwischen trocken hinter den Ohren und wartet nun auf den Transport in ihre neue – meine alte – Heimat. BERT RÖSCH

 
Print Friendly

 

DFB-Trikots

Die neuen Trikots der DFB-Elf sorgen bei den Fans für viel Unmut.

Dass die Große Koalition die Rentenkassen plündert, um sich bei ihrer Stammklientel, den Rentnern für ihre Stimme zu bedanken? Geschenkt! Dass der Mittelstand infolge hoher Sozialabgaben und Steuer-Ungerechtigkeiten wie kalte Progression kontinuierlich ausblutet, während die Wohlhabenden immer weniger Steuern zahlen oder ihr Geld am Finanzamt vorbei ins Ausland schmuggeln? Ist halt so. Das Infrastruktur und Bildungssystem immer weiter verfallen? Ja, mei …

Wenn man die Massen wirklich auf die Barrikaden bringen will, dann muss man schon das Allerheiligste der Deutschen in Frage stellen: die Fußball-Nationalmannschaft. Dieses Sakrileg begeht man bereits dann, wenn man fast 70 Jahre nach der Auflösung Preußens die preußische Flaggenfarbe Schwarz weitestgehend aus dem Outfit der DFB-Elf verbannt. Denn nachdem der Sportartikelhersteller Adidas den ganz in Weiß gehaltenen neuen Auftritt von Jogis Jungs (weißes Trikot, weiße Hose) präsentiert hatte, fegte ein gewaltiger Shit Storm durch das Internet. „Grauenvoll!“, „Dislike, Dislike, Dislike“, „Mit solchen Trikots wird das wieder nix“, hieß es beispielsweise auf der Facebook-Seite des DFB. Oder: „Die Farben sind schwarz und weiß! Und wenn man schon so einen hässlichen Balken auf das Trikot macht, dann bitte in den Nationalfarben und keine rosarote Mischung!“

Dummerweise trug die Antwort von Adidas-Designer Jürgen Rank nicht gerade zur Deeskalation bei. Ganz im Gegenteil: Indem er die wütenden Fans relativ unverhohlen als Langweiler und notorische Zweifler bezeichnete, goss der Kreative zusätzlich Öl ins Feuer: „Es ist ein mutiges und junges Design. Und spätestens, wenn man die Spieler als Team aus dem Tunnel kommen sieht, wird man verstehen: Dieses Design ist nicht für Langweiler und Zweifler. Es ist für Leute, die all ihre Energie einsetzen wollen, um etwas zu bewegen. Nicht jeder muss das neue Design toll finden. Es ist für Fans mit viel Leidenschaft gedacht.“ Die vielfach kritisierten weißen Hosen symbolisieren seiner Ansicht nach „Klasse, Eleganz und Leidenschaft.“

Wie ungeschickt ist das denn? Es sei denn, der traditionell regierungsnahe DFB und sein treuer Ausstatter Adidas wollen gar nicht, dass sich die Lage entspannt. Denn solange die Fußballfans gegen ein simples Thema Sturm laufen, bei dem es im wahrsten Sinne des Wortes nur Schwarz oder Weiß gibt, haben sie gar keine Zeit, sich über komplizierte Themen wie Steuer-und Rentenreform aufzuregen.

Jürgen Rank

Goss zusätzlich Öl ins Feuer: Adidas-Designer Jürgen Rank

Für zusätzliche Verwirrung sorgte folgende Aussage: „Die rote Brustgrafik soll dem Team Flügel verleihen und die Leichtigkeit die Spieler inspirieren.“ Flügel verleihen?! Heißt das, dass der österreichische Aufputschgetränkehersteller Red Bull neuer Hauptsponsor der Nationalmannschaft wird? Und wie sollen die Kicker den meist rollenden Ball treffen, wenn sie ständig durch die Luft fliegen? Da bekommt der Begriff hängende Spitze eine ganze andere Bedeutung.

 
 
Print Friendly

Das Medienecho war groß, als die Otto Group im vergangenen Jahr ankündigte, pensionierte Versandhandelsmanager zu reaktivieren. Die Heimkehrer sollen hauptsächlich als Berater eingesetzt werden, insbesondere in der IT. Personalchefin Sandra Widmaier wurde in der Folge tagelang in zahlreichen Zeitungen zitiert. Die „Bild“-Zeitung räumte für die Rentnerrückruf-Aktion sogar ihre Titelseite frei.

Otto Group-Personalchefin Sandra Widmaier

16 Monate später beschleicht den geneigten Beobachter der Verdacht, dass das Ganze nicht viel mehr als eine – wenn auch durchaus gelungene – PR-Aktion war. Denn wie Widmaier auf Anfrage mitteilte, hatte der Handelskonzern in diesem Jahr 20 so genannte Senior Experts im Einsatz. 20?! Bei einer Gesamtbelegschaft von fast 54.000 Mitarbeitern bewegt sich der Anteil im homöopathischen Bereich. Da ist aber auch egal. Die Story war einfach zu gut. So gut, dass die Otto Group monatelang weniger mit imageschädigenden Begriffen wie „Stellenabbau“ und „Universalversand in der Krise“ in Verbindung gebracht wurde. Sondern vielmehr mit Kino- und TV-Klassikern wie „Space Cowboys“ und „Der große Bellheim“. In den Streifen werden Rentner reaktiviert, um in Zeiten der Not Heldenhaftes zu vollbringen. Die einen müssen die Erde vor einem abstürzenden Satellit, die anderen einen Warenhauskonzern vor dem Ruin retten.

Wir sind daher gespannt, ob es den 20 opferbereiten Distanzhandels-Haudegen, den Dirty Twenty, gelingt, den kriselnden Handelskonzern endgültig in das von Twentysomething-Managern geprägte E-Commerce-Zeitalter zu führen. Zwei Fortsetzungen sollten mindestens drin sein.

 
Print Friendly
Octocopter von Amazon

Octocopter von Amazon

Die Nachricht schlug wie eine Bombe ein. Oder besser gesagt wie eine Drohnenbombe. Denn um genau um diese unbemannten Flugkörper ging es in einem Fernsehinterview, das Amazon-Chef Jeff Bezos dem US-Sender CBS Anfang Dezember gab. Der E-Commerce-Pionier will in vier bis fünf Jahren den Service Prime Air starten. Dieser bietet Amazon-Kunden die Möglichkeit, sich ihre Bestellungen von kleinen achtmotorigen Drohnen liefern zu lassen. Sie müssen dazu allerdings im Umkreis von 16 km eines Amazon-Logistikzentrums wohnen. Und die Sendung darf nicht schwerer als 2,5 Kilogramm sein.

Das klingt erst einmal toll. Das Problem ist nur, dass noch viele Fragen offen sind. Zum Beispiel, ob die unter chronischen Terrorangst leidende US-Flugsicherheitsbehörde diese Transportart genehmigt. Und wie verhindert man, dass unter den arabischstämnugen US- Bürgern eine Massenpanik ausbricht, wenn sich ein sogenannter Octocopter nähert. Schließlich haben ihre Verwandten und Bekannten in der Heimat bislang eher negative Erfahrungen mit Drohnen gemacht. TV-Serien wie „Homeland“ und „24“ nähren diese Befürchtungen kontinuierlich.

Und: Wie bitte klingelt eine Drohne an der Haustür des Kunden? Oder macht sie es wie viele ihrer Kollegen aus Fleisch und Blut – und steckt einfach nur eine Abholkarte in den Briefkasten? Außerdem: Wie reagiert eine Drohne, wenn der Besteller eines Modeartikels bei der Übergabe des Pakets aus alter Gewohnheit vor Glück schreit? Spielt die Drohne dann einen noch schrilleren Schrei-Sound ab? Oder stürzt sie vor Schreck ab? Woher weiß die Drohne, ob der Kunde zu Hause ist? Fragt er vor dem Start einen großen Bruder im All, der über eine Wärmekamera verfügt? Und was macht eine Drohne, wenn sie von einer nur mit einem Morgenmantel bekleidete grüne Witwe  – ebenfalls aus alter Gewohnheit – auf einen Kaffee hereingebeten wird? Folgt sie der Einladung oder schlägt sie der einsamen Frau ein technisches Gerät aus dem Amazon-Sortiment vor? Nach dem Motto: „Kundinnen, die …., haben … gekauft.“ Kurzum: Die Octocopter-Entwickler müssen noch viel Programmierarbeit leisten. Ein Vorteil lässt sich aber nicht wegdiskutieren: Drohnen können – anders als ihre menschlichen Kollegen in Bad Hersfeld und Leipzig – nicht streiken. Jedenfalls nicht bewusst, sondern lediglich bei technischen Mängeln.

Octocopter von Amazon

Schwebt über dem Verkehr: Die Paketdrohne von Amazon

Übrigens: Nach dem Bezos-Interview wurde bekannt, dass auch DHL und UPS am Thema Paketzustellung per Drohne arbeiten. Das heißt: Es zeichnet sich hierzulande ein Kampf um die Lufthoheit in der Paketzustellung ab. Es ist nur zu hoffen, dass das Verteidigungsministerium nicht am DHL-Projekt beteiligt ist. Sonst wird das nämlich nichts.

 
Print Friendly

 

Kontaktloses Bezahlen mit PayPass von MasterCard

Kontaktloses Bezahlen mit PayPass von MasterCard

Im August überraschte Karstadt mit der Ankündigung, in allen Filialen kontaktloses Bezahlen von Visa einzuführen. Das führte in Branchenkreisen zu Stirnrunzeln. Hat der finanziell angeschlagene Warenhauskonzern, dessen Umsätze stetig fallen und dessen Häuser vielerorts kontinuierlich verfallen, keine anderen Sorgen? Und wie muss man sich das bitte vorstellen? Das Stammkundin Oma Else aus ihrem beigefarbenen Anorak ein brandneues Samsung Galaxy IV-Handy kramt und den eingebauten NFC-Chip elegant am Lesegerät vorbeizieht?

Doch auf den zweiten Blick ergibt diese Maßnahme durchaus einen Sinn. Schließlich ist sie die konsequente Fortführung der konzerninternen Strategie, den Kontakt zur Umwelt auf ein Minimum zu reduzieren. Bestes Beispiel ist die nahezu kontaktlose Beratung durch das Verkaufspersonal. Nach den zahllosen Entlassungsrunden braucht man schon detektivisches Gespür, um die wenigen verbliebenen Verkäufer auf den Flächen zu finden. Das ist insofern fatal, als deutschen Warenhausverkäufern – meist zu Unrecht – ehe nachgesagt wird, dass sie sich wie Kakerlaken verhalten, wenn das Licht angeht.

Und wenn die Medienberichte stimmen, wonach sich das Management trotz erwiesener Erfolglosigkeit in den vergangenen Jahren hohe Boni ausgezahlt hat, während die Mitarbeiter Lohnkürzungen hinnehmen mussten, dann kann man davon ausgehen, dass auch die Führung den Kontakt verloren hat, und zwar zur Basis.

 
Print Friendly

 

Nicolas Berggruen

Designierter Europaretter: Nicolas Berggruen

Bei seinem zurzeit bekanntesten Investment, dem maroden Warenhauskonzern Karstadt, glänzte Nicolas Berggruen bislang nur mit Taten- und Einfallslosigkeit. Doch wenn es um die Rettung der Krisenländer in Südeuropa geht, sprudelt der Kunstsammler geradezu vor Ideen, zusammengefasst in dem Buch „Klug regieren“, das der Investor im Juni zum allgemeinen Erstaunen veröffentlichte. Die Botschafter war klar: Wer Südeuropa und somit die gesamte EU rettet, hat nun wirklich keine Zeit für das überholte Warenhauskonzept und Rentnerparadies Karstadt. Fürwahr: Sollte es dem Deutsch-Amerikaner wirklich gelingen, die Pleite-Griechen, Spanier und Italiener wieder kreditwürdig zu machen, dann werden ihm Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter die aller Voraussicht nach gescheiterte Karstadt-Rettung sicherlich großzügig verzeihen.

Viel wahrscheinlicher ist aber leider, dass Berggruen sein Karstadt-Konzept als Blaupause für Südeuropa nutzt. Das heißt: Er kauft die bankrotten Staaten für je einen Euro auf, lässt sich monatelang als Retter feiern, um dann völlig überraschend überall Flagship-Stores von britischen Modemarken zu eröffnen, die im Süden des Kontinents kein Mensch kennt. Woran die Flagschiffhäuser wenig ändern, da sie weder angekündigt noch beworben werden.

Dann passiert zwei Jahre lang gar nichts. Bis auf das immer wieder, fast gebetsmühlenhaft vorgebrachte Versprechen, irgendwann mal hohe Milliardenbeträge in die am Boden liegende Wirtschaft der Krisenländer zu investieren. Dann verkauft er die Kronjuwelen, unter anderem die wenigen profitablen Sportvereine und die Weltstädte Paris, Madrid, Rom und Athen sowie Norditalien, das nach seinem neuen Eigner benannt wird: Berlusconien. Ein kleiner Teil des Verkaufserlöses fließt u.a. in die Sanierung der griechischen Innenstädte. Der Großteil des Geldes kommt aber über Umwege den verkauften Sportvereine zugute, an denen Berggruen weiterhin beteiligt bleibt. Gute Fußballspieler von Weltformat sind halt teuer.

 

 
Print Friendly

Ein paar Klicks und eine digitale Unterschrift per Maus genügen, um eine Selbstauskunft zu beantragen.

Nachdem ich auf der Website Selbstauskunft.net alle von Werbungtreibenden gespeicherten Daten angefragt habe, bekomme ich fast wöchentlich Schreiben von sogenannten Listbrokern. Zu meiner Beruhigung erfahre ich, dass die Unternehmen in der Regel nur banale Daten wie Name, Postadresse, E-Mail-Adresse und Geburtsdatum gespeichert haben. Kein Wunder. Schließlich gebe ich diese Informationen freizügig an, wenn ich mich für kostenlose Services im Netz anmelde. Das ist halt der Deal: Dienstleistung gegen Adressen.

Bei den ersten Schreiben war ich jedes Mal erleichtert, dass die Datensammler nicht – wie befürchtet – über mein gesamtes Surf- und Kaufverhalten im Netz Bescheid wissen. Auch haben offenbar all die Firmen dicht gehalten, von denen ich Bonuskarten besitze. So wissen die Listbroker glücklicherweise nicht, was ich so alles in meinem Einkaufswagen im Supermarkt oder in der Drogerie packe.

Seltsamerweise teilen mir fast alle Listbroker mit, dass sie mich aus ihren Adresslisten genommen haben. Das war eigentlich gar nicht beabsichtigt. Ich wollte nur wissen, was die von mir wissen. Das heißt aber nicht, dass ich gar nichts mehr von ihnen wissen will. Sei’s drum. Dann muss ich wohl auf all die interessanten Kreditkarten- und Handyvertrag-Mailings nolens volens verzichten. Das gleiche gilt für die vielen angeblichen Gewinnbenachrichtigungen von Gewinnspielen, an denen ich nie teilgenommen habe – und hinter denen sich stets nur Neppangebote verbergen.

Gut geraten!

Das Informationsschreiben der Bertelsmann-Tochter Arvato überrascht mich dann aber doch. Denn neben den üblichen Basisinformationen gibt das Blatt auch über mein Alter Auskunft, dass anhand meines Vornamens geschätzt wurde. Arvato tippt, dass ich zwischen 1970 und 1974 geboren wurde. Nicht schlecht! 1970 wäre richtig gewesen. Andererseits: Dass nach 1974 kein Kind mehr Bert genannt wurde, war auch nicht besonders schwer zu erraten. Schließlich wurde 1973 die US-Kinderserie „Sesamstraße“ mit den Stoffpuppen Ernie und Bert in den Hauptrollen in Deutschland gestartet – mit fatalen Folgen für alle, die damals bereits Bert hießen.

Das ist der Beweis: Ich bin nicht tot!

Völlig perplex bin ich aber, als ich die Zeile „Verstorben“ lese. Zur Wahl stehen zwei Kennzeichnungen: 1 für „Person ist verstorben“ und 0 für „Sonstiges“. Glücklicherweise steht in meinem Schreiben eine nackte 0. Was ungefähr so viel bedeutet wie: „Wenn Sie diesen Brief lesen, sind Sie noch am Leben!“ Gut, dass wir nachgefragt haben!

 

 

© 2012 Medienkracher.de Suffusion theme by Sayontan Sinha