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Das Medienecho war groß, als die Otto Group im vergangenen Jahr ankündigte, pensionierte Versandhandelsmanager zu reaktivieren. Die Heimkehrer sollen hauptsächlich als Berater eingesetzt werden, insbesondere in der IT. Personalchefin Sandra Widmaier wurde in der Folge tagelang in zahlreichen Zeitungen zitiert. Die „Bild“-Zeitung räumte für die Rentnerrückruf-Aktion sogar ihre Titelseite frei.

Otto Group-Personalchefin Sandra Widmaier

16 Monate später beschleicht den geneigten Beobachter der Verdacht, dass das Ganze nicht viel mehr als eine – wenn auch durchaus gelungene – PR-Aktion war. Denn wie Widmaier auf Anfrage mitteilte, hatte der Handelskonzern in diesem Jahr 20 so genannte Senior Experts im Einsatz. 20?! Bei einer Gesamtbelegschaft von fast 54.000 Mitarbeitern bewegt sich der Anteil im homöopathischen Bereich. Da ist aber auch egal. Die Story war einfach zu gut. So gut, dass die Otto Group monatelang weniger mit imageschädigenden Begriffen wie „Stellenabbau“ und „Universalversand in der Krise“ in Verbindung gebracht wurde. Sondern vielmehr mit Kino- und TV-Klassikern wie „Space Cowboys“ und „Der große Bellheim“. In den Streifen werden Rentner reaktiviert, um in Zeiten der Not Heldenhaftes zu vollbringen. Die einen müssen die Erde vor einem abstürzenden Satellit, die anderen einen Warenhauskonzern vor dem Ruin retten.

Wir sind daher gespannt, ob es den 20 opferbereiten Distanzhandels-Haudegen, den Dirty Twenty, gelingt, den kriselnden Handelskonzern endgültig in das von Twentysomething-Managern geprägte E-Commerce-Zeitalter zu führen. Zwei Fortsetzungen sollten mindestens drin sein.

 
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Der etwas andere Jahresausblick von Bert Rösch in der TextilWirtschaft 52/2012

Bei der Recherche zum Virtual Dressing probierte die TextilWirtschaft-Redaktion im Januar einen Körper-Scanner. Aufgrund eines Blitzeinschlags in das Gerät wurde eine Schülerpraktikantin 30 Jahre in die Zukunft transportiert. Sie brauchte ein Jahr, um in die Gegenwart zurückzukehren. In der Zeit hat sie natürlich fleißig alles notiert, was im Jahre 2032 in der Modebranche passiert ist. Eine Auswahl:

18. Januar 2032
Karl-Heinz Müller eröffnet in den Abfertigungshallen des stillgelegten Hauptstadt-Flughafens Willy Brandschutz die erste von sechs Bread & Butter-Messen des Jahres. Die Eröffnungsrede hält Wirtschaftsminister RöslerBot, der erste Politik-Androide Deutschlands, benannt nach dem ehemaligen Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, der Anfang der Zehnerjahre von der Opposition gerne als „Sprachroboter“ verspottet wurde.

 20. Januar
Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin löst turnusgemäß Dmitri Medwedew als Präsident ab. Bei der Inauguration trägt er einen Anzug des Labels Gazprom by Gucci.

5. Februar
In der texanischen Wüste öffnet das bislang größte Einkaufszentrum der Welt seine Pforten. Ankermieter aus dem Modebereich sind Ebay Fashion und Google Streetwear. Der Gebäudekomplex hat eine Verkaufsfläche von zwei Million Quadratmetern. Das entspricht 300 Fußballfeldern. Damit ist das Großprojekt – neben Fifa-Präsident Rainer Calmund – das einzige von Menschenhand geschaffene Werk, das vom Weltraum aus zu sehen ist. In der nächsten Baustufe soll ein internationaler Flughafen in die Mall integriert werden. Die Stromversorgung wird über einen eigenen Kernfusionsreaktor gewährleistet.

28. Februar
Der Modefilialist C & A stellt am Düsseldorfer Nordseestrand seine aktuelle Bademode-Kollektion vor.

29. März
Harald Glööckler präsentiert auf Deutschlands größtem Teleshopping-Kanal, dem ZDF, seine Couture-Kollektion für die Saison Frühjahr/Herbst.

20. April
Der schwedische Filialist H & M eröffnet in Pjöngjang seinen ersten nordkoreanischen Store. Die Gesamtzahl aller Filialen erhöht sich dadurch auf 22.000.

2. Mai
Rocket Internet-Chef Oliver Samwer startet in der Antarktis den zweihundertsten Ableger seines Online-Modeshops Zalando. Name: Icelando. Gleichzeitig vermeldet die Zalando-Holding in Berlin einen Rekordumsatz von 120 Milliarden an den chinesischen Yuan gekoppelte Nord-Euro (Neuro). Über das Ergebnis werden keine Angaben gemacht. Experten schätzen den Verlust auf mindestens 50 Milliarden Neuro. Dem Vernehmen nach ist nur die Konzerntochter Otto Group profitabel. Samwer muss sich trotzdem keine Sorgen machen. Schließlich hat er mit dem internationalen Konzern GaszpromEssoShell einen weiteren Großinvestor gewonnen.

28. Mai
Amazon erwirbt für 10 Billionen US-Yuan alle Markenrechte der USA, die künftig unter dem Namen United States of Amazon firmieren. Die regierende Militär-Junta unter Generalin Jenna Bush kann somit die Staatsverschuldung auf 300 Prozent des Bruttosozialprodukts senken. Daraufhin gibt Weltbank-Präsident Huang das lang versprochene Hilfspaket in Höhe von 400 Milliarden US-Yuan frei.

15. Juni
Die spanische Modemarke Desigual eröffnet in der Kathedrale Sagrada Familia Antoni Gaudi in Barcelona seinen bislang größten Flagship-Store.

2. August
Der Sportartikelkonzern NikeAdidasPuma (NAP) wird offizieller Ausrüster der Olympischen Winterspiele 2036 in Katar. Unterdessen weist IOC-Präsident Sepp Blatter Korruptionsvorwürfe strikt zurück. Katar habe sich aufgrund der eindeutig besseren Bewerbung gegen die bayerische Hauptstadt München durchgesetzt, die trotz des engagierten Einsatzes von Florinda Bogner zum fünften Mal mit ihrer Bewerbung gescheitert ist.

4. Oktober
Bundeskanzler Prof. h.c. (Hewlett-Packard Canon) Karl-Theodor usw. zu Guttenberg wird zum bestangezogenen Regierungschef der Welt gekürt. An der Umfrage der Electronic Ink-Zeitung Textile Business International nahmen weltweit drei Millionen Leser teil. Zara-Chef Santiago Fernandez kritisiert die Entscheidung, weil der Bundesvorsitzende der Piraten-Partei nur kopierte Zara-Anzüge trage.

20. November
Der Shopping-Center-Betreiber CentrO Management weiht pünktlich zum Weihnachtsgeschäft den voraussichtlich letzten Erweiterungsbau von Deutschlands größtem Einkaufszentrum CentrO ein. Damit ist die Integration von Oberhausen in das Shopping-Center abgeschlossen.

11. Dezember
Der Textil-Discounter-Konzern PrimarkTakkoKik wird offizieller Ausrüster des Orchesters der Hamburger Elbphilharmonie. Wann die Abendgarderobe erstmals öffentlich zu sehen ist, steht noch nicht fest. Die Eröffnung der Elbphilharmonie wurde auf den 8. Oktober 2033 verschoben. Experten bezweifeln aber, dass der Termin eingehalten wird.

Den kompletten Artikel finden Sie in der TextilWirtschaft 52/2012 oder auf der iPad App der TW

 
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Im Taxi nachts durch Frankfurt. Foto: Axel Duerheimer/Pixelio.de

Frankfurt, 23 Uhr. Es hat sich leider mal wieder jemand vor die S-Bahn geworfen. Nichts geht mehr an der Station Hauptwache. Ich nehme kurzerhand ein Taxi und krame sofort mein iPhone heraus, um meine E-Mails zu checken. Sofort poppt ein Fenster mit den verfügbaren WLAN-Hotspots auf. Doch statt „Netgear“, „Alice“, „Telekom“ oder „Stefan online“ lese ich mit großem Erstaunen den WLAN-Namen „Polizei“! „Polizei?“, frage ich mich laut. „Wo ist denn hier eine Polizeistation?“ Ich sehe mich um und erkenne keine Polizeiwache. Der Taxifahrer hört mich und lacht laut. „Ne, ne, das ist nicht die Polizei. Das ist das WLAN meines Taxis. Damit sich keiner einhackt, habe ich es einfach Polizei genannt.“ „Nicht schlecht“, denke ich anerkennend. Denn wer ist schon so blöd, sich illegal bei der Polizei einzuloggen, nur um etwas schneller im Internet zu surfen!

Während ich die irritierende WLAN-Erkennung ausschalte, legt der Taxifahrer nach: „Neulich hatte ich eine Frau im Taxi, und die war genauso erstaunt über den WLAN-Namen wie Sie. Und hat sich noch mehr gewundert, als sie merkte, dass der Name während der gesamten Fahrt auf dem Handy zu lesen war.“ „Vermutlich hat sie gedacht, sie wird von der Polizei verfolgt“, füge ich an.

„Hoffentlich war sie keine ausländische Touristin. Denn dann wären all die Bemühungen, das deutsche Image nach dem Krieg wieder aufzupolieren, vergebens gewesen. Zumindest bei dieser Frau und ihren Freunden und Bekannten, denen sich nach ihrer Rückkehr vom vermeintlichen Polizeistaat Deutschland erzählt. In dem die Polizei offenbar überall ist. Auch im Taxi.

 

 
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Ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie. Und nochmal: Ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie.

Was für jeden Normalbürger wie eine gewöhnliche Grammatikübung aussieht, ist für Amerikas Geheimdienste vor allen Dingen eines: verdächtig. Denn wie die „Süddeutsche Zeitung“ in dem äußerst aufschlussreichen Artikel „Schnüffel in den Tweets“ berichtet, durchforsten CIA, FBI & Co das Social Web nicht nur nach Schlüsselworten, die eine gewisse Gewaltbereitschaft vermuten lassen, zum Beispiel das berühmte B-Wort.

Sie untersuchen auch die Syntax der Sätze, und zwar nach der erstaunlichen Anzahl von 262 Merkmalen, darunter Anzahl und Anordnung der sogenannten Funktionswörter. Dazu zählen Pronomen, Präpositionen, Artikel und Hilfsverben. Diese erlauben nach Ansicht der Schlapphüte Rückschlüsse auf die Denkweise der Verfasser. Gewaltbereite Terroristen nutzten beispielsweise doppelt so häufig Personalpronomen wie harmlose Autoren. Vermutlich weil sie häufig Sätze formulieren wie „Wir müssen gegen sie kämpfen“!

Auch Liebespaare benutzen viele Personalpronomen

Das Problem ist nur, dass auch Liebespaare, die ob weiter Entfernungen hauptsächlich per E-Mail kommunizieren, viele Personalpronomen einsetzen, zum Beispiel „Ich vermisse Dich“, „Du fehlst mir“ oder das ganz klassische „Ich liebe Dich“. Um nicht ins Fadenkreutz der Online-Fahnder zu geraten, müssten sie sich genau genommen künftig Zeilen schicken, die ungefähr so lauten: „Es steht unbestritten fest, dass der Empfänger dieser Mail vom Verfasser geliebt wird.“

Für Beamte dürfte das kein Problem sein. Schließlich produzieren sie von Berufs wegen tagtäglich einen mit Substantiva und Passiva durchtränkten Kauderwelsch, der Sprachpäpste wie Rolf Schneider („Deutsch für Profis“) stets zur Raserei bringt. Und vermutlich stellen sie ihre Heiratsanträge DIN A 4 gelocht mit Durchschlagpapier. Schließlich benutzen die meisten Staatsdiener immer dreilagiges Klopapier, weil sie für jeden Scheiß zwei Durchschläge brauchen.

Doch jeder, der auch nur ein klitzekleines Gespür für Romantik hat, dürfte einen großen Bogen um behördenähnliche Sprachverrenkungen machen. Er oder sie muss somit auf die gute alte Schneckenpost zurückgreifen, die ausgedruckte oder handgeschriebene Briefe transportiert. Denn diese entziehen sich noch Datenkranken wie Google und Facebook, bei denen sich die Geheimdieste eifrigst bedienen. Betonung auf „noch“. Denn irgendwann hat Google im Rahmen des Projektes Google Books alle Bücher der Welt eingescannt. Ein Achtel der Menge, sprich 15 Millionen Bücher, hat der Suchmaschinenbetreiber schon geschafft. Dann dürfte das nächste Großprojekt nicht lange auf sich warten lassen: Google Letters. Die Begründung dürfte die gleiche sein wie bei Google Books: „Wir wollen das Wissen der Welt allen Nutzern verfügbar machen.“

 
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Startseite von Vente-Privee.com

„Hey, Bert! How are the nephews of Donald Duck called in your country?” „Tick, Trick and Track”, sagte ich blitzschnell. „Wie denn sonst?” Die Antworten kommen sofort aus allen Richtungen geschossen: „Huey, Dewey and Louie”, ruft eine englische Studentin drei Busreihen weiter. „Qui, Quo et Qua“, ergänzt ein Italiener. „Riri, Fifi et Loulou“, ein Franzose und „Kwik, Kwek en Kwak“, die Holländerin, die das lustige Fragespiel überhaupt in Gang gesetzt hatte.

Weitere Namensnennungen sind unter anderem „Rip, Rap og Rup“ (Dänisch), „Ole, Dole og Doffen“ (Norwegisch), „Knatte, Fnatte och Tjatte“ (Schwedisch) und „Tupu, Hupu ja Lupu“ (Finnisch). Mein persönlicher Favorit ist die spanische Version „Jorgito, Juanito y Jaimito“.

Aber das mag auch daran liegen, dass ich mich gerade in Spanien befinde, genauer gesagt in einem Überlandbus, der eine bunt zusammengewürfelte Gruppe europäischer Studenten im Rahmen eines Sprach- und Kulturkurses der Studentenorganisation AEGEE von der nordspanischen Stadt Vigo zu einer benachbarten Bucht bringt. Dank des gleichermaßen amüsanten wie lehrreichen Fragespiels vergeht die Zeit trotz Staus wie im Fluge.

Das war 1997. Lange bevor das Internet alle Facetten unseres Lebens durchdrungen hat. Unter anderem die Schnäppchenjagd. So ist es gut denkbar, dass sich im kommenden Sommer AEGEE-Mitglieder ihre Reise- oder Wartezeit mit folgendem Spielchen vertreiben. „Hey, you! How is the sender of the shopping club Vente Privée called in your Country?“ „Nina von Winterfeld”, wird der Deutsche sagen. „Mais non”, wird die Französin sagen. „C’est Cécile de Rostand“. Die spanische Fraktion wird von einer gewissen „Paloma de la Vega“ berichten, die italianische von „Sofia Dell‘ Ambra“ und die englische von „Victoria Scott-Richards“.

Ist das Nina von Winterfeld? Nein, nur ein Model von Vente Privee.


Jung, weiblich und modeinteressiert

Doch wie kommt Vente Privee auf diese Namen? „Nina von Winterfeld und ihre Kolleginnen in anderen Vente-Privee-Ländern verkörpern viele Mitglieder des Shopping-Clubs: weiblich, 30 Jahre aufwärts und modeinteressiert“, erklärt eine Firmensprecherin. Und warum schreibt man nicht einfach den Unternehmensnahmen die Absenderzeile, so wie jede andere Internetfirma auch? Auf diese Frage hat das französische E-Commerce-Unternehmen, das das Geschäftsmodell der Online-Shopping-Clubs 2001 erfunden hat, ebenfalls eine Antwort parat: „Die Idee ist, Vente Privee ein Gesicht zu geben. Unsere Mitglieder sollen sich persönlich angesprochen fühlen.“ Dies sei Teil des „qualitativen Mitgliederservices“, der inhouse von Länderteams in der jeweiligen Landessprache erfolge.

Das ist interessant, heißt aber auch, dass ich die junge adelige Dame, die mir andauernd verführerische E-Mails schreibt, niemals kennenlernen werde. Sie ist nur virtuell. Aber das sind Tick, Trick und Track ehrlich gesagt auch. Und als sie erfunden wurden, konnte sich kaum jemand etwas Konkretes unter dem Begriff „Virtuell“ vorstellen.

 
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Man stelle sich folgendes Szenario vor: Verbraucher A erhält einen Katalog des Autoherstellers B zugeschickt und legt diesen zur späteren Lektüre in seinen Zeitungsständer. Wenige Stunden später hat sich über die Broschüre eine dicke Schicht mit Tageszeitungen und Magazinen gebildet, die ebenfalls darauf warten, gelesen zu werden. Das geht ungefähr vier Monate so weiter. Erst als Verbraucher A eine Gebrauchsanweisung sucht, arbeitet er sich bis zur untersten Schicht des Stapels vor, den er zuvor stets nur teilweise aufgearbeitet hatte.

Nun entdeckt der Jacques Cousteau der Kiosk-Literatur den Katalog und findet sofort ein Modell, das ihm gefällt. Allein der Preis schreckt ihn noch ab. Doch da das Kaufinteresse nun einmal geweckt ist, ruft er im Internet nähere Informationen ab – und stellt zu seiner Freude fest, dass das Auto nicht mehr 14.900 Euro, sondern nur noch 1.990 Euro kostet. Plus 3.000 Euro Überführungsgebühr. Bezogen auf die Autobranche ist die Geschichte vom rapiden Preisverfall natürlich ein Märchen, selbst wenn man in Jahren statt in Monaten rechnet.

„Die Unperfekten“ werden zum perfekten Schnäppchen

Im Buchmarkt ist sie dagegen bittere Wahrheit. Denn haargenau das Gleiche ist mir vor ein paar Tagen passiert, als ich eine Ausgabe des Heftes „KulturSpiegel“, ein Beileger des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, beim Aufräumen fand. In der Rubrik „Buchtipps“ stieß ich auf den Roman „Die Unperfekten“ von Tom Rachman und Pieke Biermann, der laut Amazon-Rezension „auf höchst originelle Weise vom allmählichen, doch unaufhaltsamen Niedergang einer internationalen Tageszeitung mit Sitz in Rom“ erzählt. Für einen Journalisten und Medienredakteur wie mich natürlich eine absolute Pflichtlektüre.

Eine Grafik dokumentiert den rapiden Preisverfall des Buches

Und das Beste ist: Er kostet im gebrauchten Zustand nur noch 1,99 Euro plus 3 Euro Versand. Eine Grafik dokumentiert den Preisverfall des Printproduktes, dessen Wert sich in der Vorweihnachtszeit kurz auf 4 Euro erholte, um danach wieder dramatisch abzufallen. Fünf Tage lang kostete das Taschenbuch sogar nur 1,25 Euro. Dennoch ist der vor mir entrichtete Preis immer noch ein echtes Schnäppchen, zumal ich bei dem Buch nach Erhalt keine Gebrauchsspuren feststellen kann. Es wurde offenbar ungelesen weiterverkauft.

Drei Tage später fällt mir ein weiteres „KulturSpiegel“-Heft beim Auspacken des aktuellen „Spiegel“ entgegen. Bevor ich mir einen darin beschriebenen Buchtitel merken oder ihn gar notieren kann, habe ich das Heft schon ganz tief in meinem Zeitungs- und Zeitschriftenstapel vergraben. Ich bin schon ganz gespannt, wann ich es wieder finde und welche Schnäppchen ich dann machen werde.

 
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"Ich gehe auf Amazon und dann zonk, zonk, zonk“

„Weißt Du, wie ich meine Weihnachtsgeschenke kaufe? Ich gehe auf Amazon und dann zonk, zonk, zonk“, spricht eine kurzhaarige, mit Jeans und einem schwarzen Mantel bekleidete Frau auf einer S-Bahn-Fahrt in ihr Handy. Am anderen Ende der Leitung taucht danach offenbar die Frage auf, ob dieFrau die Geschenke denn wenigstens selbst und individuell verpacke. Schließlichlautet die Antwort der Mittvierzigerin „Nein, nein. Das lasse ich auch von Amazon machen! Kostet zwar etwas mehr, aber ist soooo praktisch!“

Wohin soll dieses teilautomatisierte X-mas-Shopping noch führen? Denkbar wäre etwa eine Verknüpfungmit der Smartphone-App Shopgate. Gestresste Zeitgenossen können dort Geschlecht und Alter der zu Beschenkenden eingeben und bekommen anschließend Vorschläge aufs Handy geschickt, die sie natürlich auch mobil bestellen und bezahlen können. Ein ähnliches Angebot gibt es im Internet unter der Adresse www.tiadora.de.

Es dürfte daher nur noch eine Frage der Zeit sein, bis man auf Shopgate, Tiadora & Co automatisch Geschenke suchen lässt, diese mit der Wunschliste der Nichten und Neffen auf Amazon.de abgleicht und anschließend die Positivtreffer fertig eingepackt an die die Lieben schicken lässt. Ganz Clevere könnten die Anwendung „Auktions-Buddy“ hinzunehmen, die eine Woche lang auf günstigere Angebote bei Ebay wartet, bis sie die Bestellung auf den Weg bringt. Natürlich informieren Ebay und Amazon per Mail, was Sie letztendlich geschenkt haben, um Überraschungen am Telefon zu vermeiden. Einmal eingerichtet kommen die Geschenke künftig immer pünktlich zum Geburtstag oder Heiligabend an – und treffen im Gegensatz zu den traditionellen Socken und Krawatten stets den Geschmack des Beschenkten.

Das ist Ihnen zu unpersönlich? Abhilfe leistet das Programm „Scanahand“, das Ihrer Handschrift eine persönliche PC-Schriftart erstellt. Daraus lassen sich persönlich anmutende Glückwunsch- und Weihnachtskarten basteln, die den Geschenken beigelegt werden. Das nötige Add-on kann jeder IT-Student innerhalb von Minuten schreiben. Schöne, neue X-mas-Shopping world!
 
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Dass Unternehmensberater sehr häufig reisen, ist bekannt.Dass viele von ihnen infolge des unsteten Arbeitslebens körperlich stark abbauenund sich daher nach zwei oder drei Jahre einen ruhigeren Job suchen, istebenfalls kein Geheimnis. Doch dass die Vielfliegerei mitunter auch geistigeVerwirrung und völlige Orientierungslosigkeit zur Folge haben kann, war mir neu.

So geschehen bei einemUnternehmensberater, der mir auf dem 2. Europäischen Online-Handelskongresslachend folgende Anekdote erzählte: Der junge Mann, der inzwischen im Online-Handel arbeitet, landete eines schönen Tages auf dem Hamburger Flughafen, schaute ausdem Fenster und rief entsetzt: „Hamburg?! Aber ich wollte doch nach Berlin! Wir konnte das nur passieren?“ Eine Stewardess nahm ihm flugs sein Ticket aus derHand und sagte: „Keine Panik. Das hat alles seine Richtigkeit. Hier stehtals Ankunftsort Hamburg.“
Der Berater lehnt sich beruhigt in seinen Sessel zurückund beginnt kurze Zeit später, mit der attraktiven Blondine zu plaudern. „Hier ist aber schönes Wetter! In München hat es vorhin noch geregnet.“ DieStewardess schaut ihn entgeistert an und sagt leicht kreischend: „München?! Wir sind in Zürich gestartet!“
Was dieser Consultant, der weder wusste, wohin er wollte, nochwoher er kam, anschließend seinem Kunden als Ratschlag mit auf den Weg gab, ist nicht bekannt.
 
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Januar 2010

Zugegeben: Nicht alles, was auf Medienkongressen erzählt wird, stellt sich im Nachhinein als richtig heraus. Doch in der Regel sind die Aussagen oder Prognosen so geschickt gewählt oder formuliert, dass sie eine Halbwertzeit von mehreren Monaten haben. Nicht so beim 2. Deutschen Medienkongress von HORIZONT am 19. und 20. Januar in Frankfurt. Dort überdauerte eine Kernaussage eines so genannten Impulsreferats nicht einmal die darauf folgende Pause.

Aber der Reihe nach: Der Chef eines Radiodienstleisters will anhand zweier plastischer Beispiele die Inflation der Medienkanäle illustrieren: „Wie viele verschiedene Kaffees gab es vor 40 Jahren?“, fragt er in die Runde. „Richtig: EINEN, und nur EINE Größe.“ Heute seien es dank amerikanischer Großketten über hundert. Das Gleiche passierte im Fernsehbereich, in dem aus einst zwei Sendern (ARD und ZDF) mehrere Hundert geworden sind.

Vergleichbares sei bei den Werbekanälen geschehen, die vor ein paar Jahrzenten nur aus Zeitungen und Zeitschriften sowie dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen bestanden hätten. Inzwischen gebe es Dutzende von Kanälen: vom Privatfernsehen über Handy bis hin zu verschiedenen Social-Media-Kanälen wie YouTube, Twitter und Facebook.

So weit, so gut. Die Fernseh-These kann ich als bekennender TV-Junkie nur bestätigen, ebenso die Aussagen über die Inflation der Werbekanäle – wozu bin ich schließlich seit fast neun Jahren Medien- und Marketingredakteur?

Doch wie sieht es beim Thema Kaffee aus? Ich mache in der nächsten Pause die Probe aufs Exempel und fange ganz bescheiden an: Ich bestelle weder einen „Strawberries & Cream Frappuccino® Blended Cream“, noch einen „Sumatra Lake Toba“, sondern ganz simpel einen Capuccino. „Hamwa nicht“, heißt es auf der anderen Seite der Theke. „Wir haben nur Kaffee!“, sagt die Bedienung. „Okay, haben Sie wenigstens einen großen Kaffee?“, frage ich, um dem Kellner und dem Referenten eine zweite Chance zu geben. „Nein! Nur DIESE Tassen!“, sagt er und zeigt dabei auf ganz gewöhnliche weiße Tassen.

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