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„Hey, Bert! How are the nephews of Donald Duck called in your country?” „Tick, Trick and Track”, sagte ich blitzschnell. „Wie denn sonst?” Die Antworten kommen sofort aus allen Richtungen geschossen: „Huey, Dewey and Louie”, ruft eine englische Studentin drei Busreihen weiter. „Qui, Quo et Qua“, ergänzt ein Italiener. „Riri, Fifi et Loulou“, ein Franzose und „Kwik, Kwek en Kwak“, die Holländerin, die das lustige Fragespiel überhaupt in Gang gesetzt hatte.

Weitere Namensnennungen sind unter anderem „Rip, Rap og Rup“ (Dänisch), „Ole, Dole og Doffen“ (Norwegisch), „Knatte, Fnatte och Tjatte“ (Schwedisch) und „Tupu, Hupu ja Lupu“ (Finnisch). Mein persönlicher Favorit ist die spanische Version „Jorgito, Juanito y Jaimito“.

Aber das mag auch daran liegen, dass ich mich gerade in Spanien befinde, genauer gesagt in einem Überlandbus, der eine bunt zusammengewürfelte Gruppe europäischer Studenten im Rahmen eines Sprach- und Kulturkurses der Studentenorganisation AEGEE von der nordspanischen Stadt Vigo zu einer benachbarten Bucht bringt. Dank des gleichermaßen amüsanten wie lehrreichen Fragespiels vergeht die Zeit trotz Staus wie im Fluge.

Das war 1997. Lange bevor das Internet alle Facetten unseres Lebens durchdrungen hat. Unter anderem die Schnäppchenjagd. So ist es gut denkbar, dass sich im kommenden Sommer AEGEE-Mitglieder ihre Reise- oder Wartezeit mit folgendem Spielchen vertreiben. „Hey, you! How is the sender of the shopping club Vente Privée called in your Country?“ „Nina von Winterfeld”, wird der Deutsche sagen. „Mais non”, wird die Französin sagen. „C’est Cécile de Rostand“. Die spanische Fraktion wird von einer gewissen „Paloma de la Vega“ berichten, die italianische von „Sofia Dell‘ Ambra“ und die englische von „Victoria Scott-Richards“.

Ist das Nina von Winterfeld? Nein, nur ein Model von Vente Privee.


Jung, weiblich und modeinteressiert

Doch wie kommt Vente Privee auf diese Namen? „Nina von Winterfeld und ihre Kolleginnen in anderen Vente-Privee-Ländern verkörpern viele Mitglieder des Shopping-Clubs: weiblich, 30 Jahre aufwärts und modeinteressiert“, erklärt eine Firmensprecherin. Und warum schreibt man nicht einfach den Unternehmensnahmen die Absenderzeile, so wie jede andere Internetfirma auch? Auf diese Frage hat das französische E-Commerce-Unternehmen, das das Geschäftsmodell der Online-Shopping-Clubs 2001 erfunden hat, ebenfalls eine Antwort parat: „Die Idee ist, Vente Privee ein Gesicht zu geben. Unsere Mitglieder sollen sich persönlich angesprochen fühlen.“ Dies sei Teil des „qualitativen Mitgliederservices“, der inhouse von Länderteams in der jeweiligen Landessprache erfolge.

Das ist interessant, heißt aber auch, dass ich die junge adelige Dame, die mir andauernd verführerische E-Mails schreibt, niemals kennenlernen werde. Sie ist nur virtuell. Aber das sind Tick, Trick und Track ehrlich gesagt auch. Und als sie erfunden wurden, konnte sich kaum jemand etwas Konkretes unter dem Begriff „Virtuell“ vorstellen.

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